Amoklauf in Würzburg: Hilfe für die Opfer

Trauerkerzen und Blumen, sowie ein Kranz der Stadt Würzburg, vor dem Kaufhaus Woolworth am Barbarossaplatz. Foto Nicolas Armer/dpa

Hilfe nach dem Amoklauf am Barbarossaplatz: Verein „Würzburg zeigt Herz“ bittet um Spenden für Opfer

Amoklauf in Würzburg: Die Opfer und Angehörigen können sich mit ihren Fragen an das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) in Bayreuth wenden, um Hilfe zu bekommen. „Ich habe bisher Kontakt zu einigen Angehörigen gehabt“, sagte der beim ZBFS angegliederte Zentrale Ansprechpartner in Bayern für Opfer von Terroranschlägen und Gewalttaten, Erwin Manger, der Deutschen Presse-Agentur.

„Nach so einer schrecklichen Gewalttat benötigen einige Menschen allerdings zunächst Abstand und Ruhe, bevor sie in Kontakt mit Behörden treten wollen. Denjenigen werde ich auf geeignetem Wege ein Gesprächsangebot unterbreiten.“ Wichtig sei, dass diesen Menschen nun schnell geholfen werde, etwa durch Vermittlung von psychologischer Betreuung.

Nach Angaben des Sozialministeriums können sich Gewaltopfer etwa in Traumaambulanzen helfen lassen. Bayernweit gebe es derzeit 16 davon für Erwachsene und 13 für Kinder und Jugendliche.

Mangers Funktion wird in anderen Bundesländern Opferschutzbeauftragter genannt. Der Jurist kümmert sich nach eigenen Worten beispielsweise um Fragen wie Bestattungskosten, Entschädigungen für Verletzte, Versorgung für die Hinterbliebenen sowie Heil- und Krankenbehandlungen.

War der Täter islamistisch motiviert oder psychisch gestört?

Ein Somalier hatte am 25. Juni in der Würzburger Innenstadt auf mehrere Menschen eingestochen, die er nicht gekannt haben soll. Drei Frauen starben in einem Kaufhaus. Fünf Menschen verletzte der Flüchtling mit einem Messer lebensgefährlich, zwei erlitten leichte Verletzungen. Die Polizei hält es für naheliegend, dass der 24-Jährige islamistisch motiviert war. Allerdings wird auch eine psychische Störung nicht ausgeschlossen.

Manger sagte, auch Zeugen der brutalen Attacke in Würzburg könnten sich an ihn wenden. Er werde zudem mit den Opferbetreuern der Polizei sprechen und sich abstimmen, wann der geeignetste Zeitpunkt für die Kontaktaufnahme ist. „Ich will den Menschen das Gefühl geben, dass man sie nicht alleine lässt.“

Am 21. November 2019 hat das Sozialministerium den Vizepräsidenten des ZBFS, Erwin Manger, zum „Zentralen Ansprechpartner für Opfer von Terror und von auf Straftaten beruhenden Großschadensereignissen in Bayern“ bestellt. Manger koordiniert den Opferschutz im Freistaat.

Auch arbeite er mit dem Weißen Ring als Opferhilfeorganisation zusammen, sagte er. Auf Bundesebene war die Stelle des Opferbeauftragten nach dem Anschlag 2016 auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin, bei dem elf Menschen getötet wurden, geschaffen worden.

Der Zentrale Ansprechpartner schaltete sich im Freistaat etwa ein, nachdem 2020 ein Deutscher kurdischer Abstammung mehrere Anschläge auf türkische Läden im multikulturell geprägten, oberbayerischen Waldkraiburg beging.

„Würzburg zeigt Herz“: Hilfe für die Opfer

Der Weiße Ring startete nach dem Amoklauf in Würzburg einen Spendenaufruf. „Niemand sollte nach so einer traumatischen Erfahrung allein bleiben“, sagte der Landesvorsitzende Bayern-Nord des Vereins, Josef Wittmann. Er forderte die Öffentlichkeit auf, den Blick vor allem auf die Opfer zu richten und nicht auf den Täter.

Auch der Verein „Würzburg zeigt Herz“ bittet nach dem Amoklauf in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Würzburg um Spenden für die Opfer-Hilfe: IBAN-Nummer DE37 7905 0000 0048 8375 20 bei der Sparkasse Mainfranken Würzburg (BIC: BYLADEM1SWU). „Die Betroffenen benötigen professionelle Hilfe, das Erlebte zu verarbeiten. Mit der finanziellen Unterstützung des Vereins ‚Würzburg zeigt Herz‘ können wir dies unkompliziert und vor allem schnell ermöglichen“, sagt Würzburgs Sozialreferentin Dr. Hülya Düber.

„Betroffene von Gewalttaten können Entschädigungsleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz beantragen“, sagte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU). Das ist etwa wichtig, wenn Betroffene vom Täter keinen Schadenersatz bekommen können. Dann erhalten sie unter bestimmten Voraussetzungen einzelne Leistungen wie beispielsweise monatliche Rentenzahlungen vom Staat.

Das Ministerium verweist darauf, dass die in Würzburg von der Messerattacke betroffenen Menschen auch ein Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung haben könnten. Dies betreffe die Beschäftigten im Kaufhaus oder der Geschäfte entlang der Tatstrecke, die Ersthelfer und diejenigen, die andere geschützt hätten. (dpa)

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