Digitalisierung als Chance für den Weinbau in Unterfranken

Von links: Patrick Friedl, Benjamin Adjei, Paul Knoblach, Andreas Maier, Dr. Matthias Mend, Georg Bätz, Dr. Daniel Heßdörfer, Dr. Beate Wende und Christian Deppisch. Foto Büro Adjei

Grüne, Uni und LWG über die Zukunft der Winzer in Unterfranken

Die Digitalisierung schreitet in allen Bereichen der Landwirtschaft kontinuierlich voran, so auch im Weinbau in Unterfranken. Vier Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen haben sich in Gesprächen an der Universität Würzburg und der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim mit Experten über digitale Unterstützungsmöglichkeiten für die fränkischen Weinbauern in Zeiten des Klimawandels ausgetauscht.

Die Grünen Landtagsabgeordneten Benjamin Adjei, Patrick Friedl und Paul Knoblach trafen sich zu einem Informationsgespräch mit Prof. Andreas Hotho und Prof. Heiko Paeth von der Universität Würzburg. Andreas Hotho als Koordinator des Zentrums Künstliche Intelligenz und Klimaforscher Heiko Paeth präsentierten den Vertretern der Grünen Perspektiven, wie Wissenschaftler mit Hilfe großer Datenmengen aus Wetteraufzeichnungen und aus der Erdbeobachtung die Entwicklung des Weinbaus sichtbar machen wollen. Patrick Friedl, Sprecher der grünen Landtagsfraktion für Naturschutz und Klimaanpassung, interessierte sich dabei vor allem für die Herausforderungen, die sich aus dem schnell fortschreitenden Klimawandel für den Weinbau ergeben.

Universität entwickelt Klimamodelle

Mit der Plattform bigdata-at-geo.eu stellt die Universität Würzburg regional hochaufgelöste Klimadaten aus Unterfranken offen der Landwirtschaft und dem Weinbau zur Verfügung und erleichtert so die Planung mit Klimaveränderungen deutlich. „Die Digitalisierung bietet große Möglichkeiten. Diese müssen wir noch viel stärker nutzen. So muss es einfacher möglich werden, dass auch einzelne Weinbaubetriebe auf öffentliche Daten zurückgreifen dürfen, um sich auf aktuelle und kommende Veränderungen durch den Klimawandel besser einstellen und reagieren zu können“, so Friedl.

Der Weinbaupolitische Sprecher Paul Knoblach bemerkt: „Die von Professor Paeth ständig weiter entwickelten Klimamodelle unterstützen die Winzerinnen und Winzer bei der Auswahl der Rebsorten im Zuge von Neupflanzungen.“ Alle Beteiligten waren sich im Gespräch an der Uni Würzburg einig: Es sind erhebliche Anstrengungen nötig, damit die fränkischen Winzer von der Digitalisierung noch stärker profitieren können.

Biologische Vielfalt im Weinberg

Weiter ging es für die Landtagsabgeordneten – zu denen nun auch MdL Kerstin Celina hinzukam – mit einem Besuch der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. In der LWG forschen Fachleute unter anderem daran, die biologische Vielfalt im Weinberg zu erhalten und zu fördern. Hier hilft die Digitalisierung zum Beispiel bei der Beikrautentfernung durch moderne Hacktechnik. Und durch den Einsatz von Kameras und Lasern an den Maschinen will man chemischen Pflanzenschutz reduzieren.

Nach einer kurzen Einführung in die Arbeit der LWG konnten die Landtagsabgeordneten gemeinsam mit Andreas Maier, dem Präsidenten der LWG, die Themen Digitalisierung und Biodiversität im Weinbau bei einem Besuch der Weinlage Thüngersheimer Scharlachberg in der Praxis erleben. Auf dem Weg durch die Weinberge lernten sie die Bewässerung der Weinstöcke per App und einen Traktor, ausgerüstet mit Lasererkennung und automatischer Spurführung in Aktion kennen.

Blühstreifen und Online-Weinproben

Mit Blühstreifen, unbearbeiteten Wegrändern und Steinriegeln als Rückzugsort und Lebensraum für wärmeliebende Amphibien soll ein weiterer Schritt in Richtung Biodiversität gemacht werden. Patrick Friedl: „Die Digitalisierung und Maßnahmen zur Biodiversität sind ein guter Weg, Weinbau in Unterfranken in Zukunft noch ökologischer und zugleich nachhaltig wirtschaftlich betreiben zu können.“ Und Paul Knoblach: „Die bereits angewendete digitale Gärungssteuerung erleichtert die Arbeit im Weinkeller und steigert gleichzeitig die Qualität der Weine. Nicht zuletzt haben Winzer aus der Vermarktungsnot im Lockdown eine Tugend gemacht und Online-Weinproben angeboten. Auch hier sind die Ergebnisse vielversprechend.“

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