Würzburgs Direktkandidaten zur Bundestagswahl: „Das will ich erreichen“

Bundestagswahl 2021: Die sechs Direktkandidaten der großen Parteien für den Wahlkreis Würzburg erklären ihr Programm

Die sechs Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2021 für den Wahlkreis Würzburg im wob-Kurzinterview.

„Die sind doch alle gleich!“ – so lautet in der politischen Debatte oft ein Vorwurf gegenüber politischen Parteien in Deutschland. Die Parteien seien sich zunehmend ähnlicher geworden, ließen sich inhaltlich kaum mehr voneinander unterscheiden und würden die gleichen Standpunkte vertreten. Die vermeintliche Ähnlichkeit der Parteien wird dabei oft als Grund für die Wahlabstinenz  angeführt und als Ausdruck einer Krise der Demokratie gewertet.

Eine Untersuchung der Konrad Adenauer Stiftung von 2019 kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass sich die Parteien in ihren Programmen sehr wohl voneinander unterscheiden – zudem sei ein gewisser Grad an Ähnlichkeit Voraussetzung für gemeinsame Lösungen und Kompromisse.

wob hat die Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2021 der sechs großen Parteien im Wahlkreis Würzburg gefragt: Was macht Ihr Programm – Ihr persönliches sowie das Ihrer Partei – unverwechselbar? Und worin unterscheiden Sie sich am meisten von Ihren Mitbewerbern?

Paul Lehrieder, MdB – CSU

„Dank meiner jahrelangen Erfahrung und meines guten politischen Netzwerks kann ich mich erfolgreich für regionale Belange und Förderungen in meinem Wahlkreis einsetzen. Für die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger bin ich stets erreichbar, vereinbare individuelle (Telefon-)Sprechstunden und kämpfe mit Biss und Leidenschaft für ihre Anliegen.

Als Vertreter der Region Würzburg im Bundestag stehen für mich eine bürgernahe Politik sowie die Weiterentwicklung der Bundesrepublik zu einem lebens- und liebenswerten Deutschland für die nachfolgenden Generationen an erster Stelle.

Dazu gehört eine nachhaltige Politik, die über Klima- und Umweltschutz hinausgeht: Sie umfasst eine kluge Verkehrspolitik, eine innovative Landwirtschaftspolitik, eine solide Finanz- und Haushaltspolitik sowie die Nutzung neuer Technologien zur Bewältigung der Menschheitsprobleme. Wir sind in der Pflicht, Deutschland weiter fit und wettbewerbsfähig zu machen, um Wohlstand und Sicherheit langfristig zu erhalten.“

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Paul Lehrieder. Foto DBT/Inga Haar

Freya Altenhöner – SPD

„Die SPD setzt sich als einzige Partei für eine wirklich soziale Umweltpolitik ein. Und das ist auch eines meiner Hauptziele: Ich will, dass alle Menschen klimabewusst leben können – unabhängig vom Einkommen. Und ich will, dass die Reichen in unserem Land mehr für den sozialökologischen Umbau leisten. Es kann z.B. nicht angehen, dass die Kosten der CO2-Bepreisung vollständig auf die Mieter*innen abgewälzt werden und die Vermieter*innen sich aus der Verantwortung stehlen.

Aber Sozialpolitik ist bei uns nicht nur „Beiwerk“, sondern steht für Sozialdemokrat*innen immer im Mittelpunkt. Ich kenne aus meinem Beruf als Sozialpädagogin die Sorgen vieler Auszubildender, ich erlebe regelmäßig, wie Frauen immer noch benachteiligt werden. Deswegen kämpfe ich für echte Gleichstellung, gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung. Andere Parteien reden den Mindestlohn immer noch schlecht, aber eine Anhebung auf 12 Euro ist einfach nur gerecht!“

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Freya Altenhöner.

Sebastian Hansen – GRÜNE

„Diese Wahl ist Klimawahl! Mit Hitzesommern, Waldsterben und Überschwemmungen haben wir Folgen der Klimakrise bereits zu spüren bekommen. Es geht darum, die Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu erhalten. Um das 1,5 Grad-Ziel einhalten zu können, brauchen wir klimafreundliche Mobilität für alle, einen Kohleausstieg bis spätestens 2030 und den Ausbau erneuerbarer Energien.

Für den Wahlkreis Würzburg heißt das ganz konkret, dass die naturzerstörende autobahnähnliche Bundesstraße B26n im westlichen Landkreis nicht gebaut werden darf. Außerdem ist es wichtig, die Finanzierung des Straßenbahnausbaus zu sichern, stillgelegte Bahnstrecken zu reaktivieren und den Kommunen mehr Möglichkeiten geben, Radwege auszubauen. Ebenso müssen diese genug Mittel für Klimaschutz und -anpassung erhalten.

Wir GRÜNE wollen das alles nach 16 Jahren Stillstand in der nächsten Bundesregierung endlich umsetzen. Deswegen macht Grün den Unterschied: Echten, wirksamen Klimaschutz gibt es nur mit uns!“

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Sebastian Hansen. Foto Niklas Wunderlich

Andrew Ullmann, MdB – FDP

„Die Freien Demokraten setzen auf die Vernunft der Menschen. Wir verkaufen keine hohlen Versprechen, sondern Ehrlichkeit. Wir suchen Lösungen für akute Probleme. Diese Lösungen wollen wir mit den Menschen umsetzen. Insbesondere zeichnen wir uns dadurch aus, dass wir nicht durch mehr Steuern das Land in den Ruin steuern wollen.

Als Freie Demokraten setzen wir auf Freiheit, Rechtsstaat und Bürgerrechte. Diese gelten auch in Krisenzeiten. Das sind keine „Privilegien“. Freiheit ist das Fundament unserer Gesellschaft. Wir setzen auf die Kraft der Eigenverantwortung, der Privatinitiative, die Freiheit des Individuums.

Ich bin Gesundheitspolitiker und möchte ein verbessertes Gesundheitssystem gestalten, in dem wieder der Mensch behandelt und nicht verwaltet wird. Ein Gesundheitssystem von morgen kann nicht auf den Strukturen von gestern fußen. Wir müssen Gesundheit neu denken, die Chancen der Digitalisierung und Personalisierung in der Medizin nutzen, um das Leben der Menschen zu verbessern.“

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Andrew Ullmann.

Simone Barrientos, MdB – Die Linke

„Rente rauf, Eintrittsalter runter! Die gesetzliche Rente muss den Lebensstandard sichern und vor Armut schützen. Das geht, wenn alle einzahlen, auch Politiker:innen, Beamt:innen und Selbstständige. So ist eine garantierte Grundrente von 1.200 Euro möglich und das Rentenniveau würde spürbar steigen.

Mieten deckeln, kommunalen Wohnungsbau fördern, Genossenschaften unterstützen! Die Zahl von Sozialwohnungen hat sich in den letzten 15 Jahren fast halbiert. Mit 15 Milliarden Euro jährlich wollen wir dagegenhalten. So können pro Jahr 250.000 bezahlbare Wohnungen entstehen: Durch Ankauf für kommunale Gesellschaften, durch Neubau von Sozialwohnungen und durch die Förderung von Genossenschaften. Wir wollen ein öffentliches gemeinnütziges Wohnungsbauprogramm.

„Staatsziel Kultur“ ins Grundgesetz! Kultur ist Demokratierelevant! Sie muss Pflichtaufgabe sein, so wie Gesundheit oder Bildung. Wenn Kommunen, Länder und Bund kooperieren, klappt das. Damit alle Kultur machen und/oder genießen können!“

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Simone Barrientos. Foto ©Olaf Krostitz Linksfraktion

Robert Starosta – Freie Wähler

„Freie Wähler machen Politik für den Bürger und nicht für die Partei zur Selbstbeschäftigung. Bürgerlich und sachorientiert bieten wir Lösungen an: Politik mit gesundem Menschenverstand und ohne Ideologie. Ohne Ideologie vertreten wir die Mitte! Das heißt: Politik der kommunalen Parlamente. Was uns in den Kommunen sehr gut gelingt – und auch in den Landesparlamenten von Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Bayern.

Die Freien Wähler wollen eine starke Stimme der Kommunen in Berlin werden und sind längst keine Regional- oder Kleinpartei: Wir sind in jeden Bundesland vertreten, in Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen-Anhalt und Sachsen liegen wie bei drei Prozent und mehr.

Meine persönliche Forderung lautet: Die Rente für alle von allen, auch von Selbständigen, Beamten und Politikern, fair und leistungsgerecht. Keine Rente mit 70 Jahren – keine Grundrente! Zum Umbau des Rentensystems sage ich: Geht nicht, gibt`s nicht –  wir brauchen nur den Willen dazu.“

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Robert Starosta.

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