Wenn das Geld immer knapp ist: Malwettbewerb der Christophorus-Gesellschaft zum Thema „Kinderarmut“

Der neunjährige Paul zeigt, dass seine Eltern an manchen Tagen nur noch wenige Cent im Geldbeutel haben. Foto Katrin Falkner

Sie unterscheiden sich deutlich voneinander: Ein Kind aus einer armen Familie wohnt, isst, spielt und lernt ganz anders als ein Kind, das aus einer reichen Familie stammt. Was denkt das reiche Kind wohl über Kinder, die arm sind? Und wie würde ein armes Kind seine Situation selbst beschreiben? Das möchte die Christophorus-Gesellschaft gern wissen. Anlässlich der 21. „Aktionswoche Schuldnerberatung“ startet die gemeinnützige Organisation einen Malwettbewerb für Schülerinnen und Schüler.

„Kinder tragen eine schwere Last“

Für ein armes Kind ist es schwer, seinen Traumjob zu verwirklichen. Weil die Eltern es nicht so gut unterstützen können, da sie kein Geld für Nachhilfe und hochwertige Lernmaterialien haben, drohen diese Kinder oft, in Schule und Ausbildung zu scheitern. „Ich kann mir vorstellen, dass diese Kinder eine schwere Last tragen, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht sieht“, sagt Nadja Bonengel. Die 26-jährige Studentin der sozialen Arbeit leistet gerade zusammen mit ihren Kommilitoninnen Katrin Falkner und Clara Strobel ein Praktikum in der Christophorus-Gesellschaft ab. Als Praktikumsprojekt dachte sich das Trio den Malwettbewerb aus.

Bilder bis zum 10. Juli einschicken

Die bundesweite Aktionswoche macht heuer darauf aufmerksam, wie verhängnisvoll sich Armut auf Kinder auswirkt. Und sie zeigt auf, warum mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland arm ist. „Chancenlose Kinder? Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ lautet das Motto.

„Wir wollten, dass sich Kinder selbst zu dem Thema äußern“, sagt Clara Strobel. So kam es zur Idee des Malwettbewerbs. Dessen Motto lautet: „So leben arme Kinder in Deutschland“. Teilnehmen dürfen Schüler der 1. bis 7. Klasse aller Schularten in Stadt und Kreis Würzburg. Bis 10. Juli ist Zeit, ein Bild zu malen. Die besten Bilder werden prämiert.

Kinder von Eltern, die ein gutes und gesichertes Einkommen haben, kennen viele Probleme nicht, mit denen Kinder aus armen Familien konfrontiert sind, sagt Katrin Falkner. Sie selbst hat erstaunt, wie viele Kinder hierzulande arm sind. Und in welchen Schwierigkeiten sie stecken. Viele haben verschuldete Eltern, die von Hartz IV leben. „Diese Kinder müssen sich, wenn sie volljährig werden, erst auf einen bestimmten Paragrafen berufen, um nicht mit den Schulden ihrer Eltern belastet zu werden“, erfuhr die 33-Jährige durch das Praxisprojekt. Die Aktionswoche fordere deshalb, dass sich Kinder generell nicht sozialrechtlich verschulden dürfen.

Robert Morfeld, Fachberater in der Schuldner- und Insolvenzberatung der Christophorus GmbH steht mit allen Kolleg*innen bereit. Foto Günther Purlein

Armut wird oft weiter vererbt

Dass Kinder, die in einer armen Familie auf die Welt kommen, nur schlechte Chancen haben, ihrerseits der Armut zu entrinnen, davon weiß Robert Morfeld, Schuldnerberater bei der Christophorus-Gesellschaft, zu berichten. „Wir beobachten in letzter Zeit vermehrt, dass nun die Kinder von Menschen, die wir vor mehreren Jahren beraten haben, mit ähnlichen Problemen wie ihre Eltern zu uns kommen“, sagt der Sozialpädagoge. Derzeit berät er Miroslav, einen 19 Jahre jungen Mann, dessen Eltern aus Südosteuropa stammen. Miroslavs Vater Marko A. hatte bereits mit einem Schuldenberg zu kämpfen: 35.000 Euro hatten sich aufgehäuft, als er zu Robert Morfeld in die Beratung kam.

Marko A. schaffte es nie, die Reißleine zu ziehen, wenn seine finanzielle Situation prekär zu werden begann – zum Beispiel in Phasen der Arbeitslosigkeit. Daran, betont Morfeld, trägt er selbst letztlich keine Schuld. Menschen wie Marko A. verschulden sich, wie es Sozialarbeiter formulieren, aufgrund „wirtschaftlicher Unerfahrenheit“. Marko A. ist zum Beispiel gar nicht klar, was es bedeutet, einen Vertrag einzugehen. Er wusste auch nie, wie er auf eine Mahnung reagieren sollte. Weil er sich selbst nicht auskannte, konnte er seinem Sohn nicht beibringen, wie man sich in wirtschaftlicher Weise so verhält, dass keine nicht abtragbaren Schulden auflaufen.

Kein Geld für Nachhilfe, Sportverein, Musikunterricht

Dass arme Kinder vielfach benachteiligt werden, daran ist laut Morfeld nicht zu zweifeln. Sein Klient Miroslav ist für ihn das beste Beispiel. Auch Miroslavs Eltern hatten nie Geld gehabt, um ihrem Sohn Nachhilfe, Musikunterricht oder die Mitgliedschaft in einem Sportverein zu finanzieren. Auch konnte Miroslav nie an längeren Klassenfahrten teilnehmen. Die Hauptschule schaffte er mit Ach und Krach.

Allerdings gelang es ihm nicht, sich nach der Schule zum Facharbeiter zu qualifizieren: Bis heute hat Miroslav keine abgeschlossene Ausbildung. Wie sein Vater, hat auch er so gut wie nie Geld. Dennoch sehnt er sich danach, in seiner Peergroup mithalten zu können. Weil er in den letzten Monaten einiges kaufte, was er nicht bezahlen konnte, hat er nun 7.000 Euro Schulden.

Konkrete Unterstützung der Betroffenen, Aufklärungsarbeit, Gesetzesänderungen und Sensibilisierung der Bevölkerung müssen für Robert Morfeld Hand in Hand gehen, um Kinderarmut zu bekämpfen. Dass es so viele arme Kinder gibt, sei den meisten Menschen, die von der Problematik nicht berührt sind, unbewusst: „Wer an Armut denkt, denkt an das afrikanische Kind, das vom Hunger einen Blähbauch hat.“ Auch diesem Kind müsse geholfen werden. Gleichzeitig gelte es, die Armut hierzulande, die sich weniger deutlich zeigt, zu verringern. Denn die betroffenen Kinder leiden oft lebenslang unter ihren schwierigen Startbedingungen. Günther Purlein

Für den Malwettbewerb wurde von der Christophorus-Gesellschaft eine eigene Mailadresse eingerichtet: malwettbewerb@christophorus.de.

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