Parkgebühren auf der Talavera: „Den dritten Schritt vor dem ersten gemacht“

Stellungnahme von Landrat Thomas Eberth zu den geplanten Parkgebühren auf der Talavera: „Kontraproduktiv, ohne geeignete flankierende Maßnahmen das Parken auf der Talavera kostenpflichtig zu machen“

Die von der Stadt Würzburg durch den Beschluss des Ausschusses für Planung, Umwelt und Mobilität (PUMA) geplanten Parkgebühren auf der Talavera ab Juni 2022 führten auch zu zahlreichen erbosten Zuschriften an Landrat Thomas Eberth und sorgten nicht nur in der Stadt Würzburg, sondern gerade bei der Landkreisbevölkerung zu Verwunderung und Unmut.

Denn betroffen vom Wegfall der bislang kostenfreien Parkplätze sind mit Sicherheit viele Berufspendlerinnen und -pendler aus dem Landkreis Würzburg, die in der Stadt arbeiten bzw. Landkreisbewohnerinnen und -bewohner, die zum Einkaufen oder zu sonstigen Erledigungen und zum Genießen in die Stadt fahren.

„Mobilitätsverbesserungen in der Region können nur gelingen, wenn Stadt und Landkreis Würzburg an einem Strang in eine Richtung ziehen. Dazu gehört auch die politische Debatte in der interkommunalen Zusammenarbeit zu strittigen Themen“, ist Landrat Eberth überzeugt.

Landkreisbürger stärker von Talavera-Parkgebühren betroffen

„Normalerweise nehmen wir zu Entscheidungen des Stadtrats nicht Stellung, da es nicht unsere Aufgabe ist, sich bei den anderen Gebietskörperschaften wie der Stadt oder den Gemeinden einzumischen“, betont Landrat Thomas Eberth. In dieser Sache seien jedoch eher Landkreisbürgerinnen und –bürger als Einwohner der Stadt Würzburg betroffen, wenn es um die kostenfreien Parkplätze auf der Talavera, Mobilitätsveränderungen und ein Stadt-Umland-Konzept geht. Deshalb melde er sich nun zu Wort.

Dem Online-Handel in die Hände gespielt

„Für den Landkreis Würzburg ist eine funktionierende und mit verschiedenen Verkehrsmitteln gut erreichbare Stadt als Oberzentrum immens wichtig. Für die Stadt sollte diese Erreichbarkeit ebenfalls immens wichtig sein. Ich wünsche mir daher, dass die Stadträte dies im Blick haben und sorgfältig abwägen, welche Schritte sie beim Umbau der Mobilität in der Stadt und für die Stadt zuerst einleiten. Gemeinsam arbeiten wir im Projekt SmartCity für eine attraktive Innenstadt, gegen den Verlust von Einzelhandel und Gastronomie. Wir wollen die Verödung der Zentren stoppen und für die Stärkung der sozialen Resilienz sorgen. Daher ist es aus meiner Sicht kontraproduktiv, ohne geeignete flankierende Maßnahmen das Parken auf der Talavera kostenpflichtig zu machen. Da wird augenscheinlich der dritte Schritt vor dem ersten gemacht“, erklärt Eberth. Damit spiele man Online-Handel und anderen Zentren unüberlegt in die Hände.

  • Massiver Widerstand gegen die Parkgebühren auf der Talavera: Eine Online-Petition hat bis Dienstag, 18. Januar, 12 Uhr bereits über 7.000 Unterschriften gesammelt.

Park&Ride-Parkplätze am Stadtrand

Zunächst müsse die Infrastruktur, die zu einer gelingenden Mobilitätswende unabdingbar notwendig ist, realisiert werden: Park&Ride-Parkplätze am Stadtrand, neue Parkhäuser außerhalb des Bischofshutes, wie am Hauptbahnhof geplant, mehr gut ausgebaute Radwege in die Stadt gemeinsam mit den Landkreisgemeinden für den Pendler-Radverkehr und ein noch besser koordinierten ÖPNV mit attraktiver Infrastruktur sowie auch Parkraum-Alternativen für den ländlichen Raum.

Gemeinsame Debatte von Stadt- und Kreispolitik gewünscht

„Auch eine Debatte mit der Kreispolitik, zum Beispiel im interkommunalen Ausschuss, bei einer solchen Entscheidung hätte ich mir gewünscht, um das bisher sehr gute interkommunale Miteinander weiter zu pflegen und inhaltlich zu vertiefen“, betont Landrat Thomas Eberth. Der Kreistag des Landkreises sei jederzeit bereit, aktiv und konstruktiv an der Mobilitätswende der Region Würzburg mitzuarbeiten. Denn nur, wenn sich Stadt und Landkreis Würzburg bei diesem Thema als gemeinsame Region sehen und gemeinsam die notwendigen Schritte abstimmen, könne der Klimaschutz mit einer Verkehrswende gelingen, von der alle Menschen in Stadt und Landkreis profitieren.

„Denn im Landkreis findet neben der Nahrungsmittelproduktion auch die Energiewende mit regenerativer Energieproduktion durch Sonne, Wind und Biomasse sowie der Natur- und Klimaschutz über Wälder und Flächen statt. Daher geht es nur im Miteinander“ so der Landrat. Dieses Miteinander vermisst Landrat Eberth bei der Debatte um das Einzelthema Bewirtschaftung des Talavera-Parkplatzes.

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