Zunehmende Armut in Unterfranken

Fachbereichsleiter Kilian Bundschuh: „Corona wirkt auch in Sachen Armut wie ein Brandbeschleuniger“. Foto Sebastian Schoknecht

Beratungsstellen der Caritas: Immer mehr Ältere auf Hilfe angewiesen  

Die Caritas in Unterfranken macht auf die zunehmende Armut in der Region aufmerksam. Fachbereichsleiter Kilian Bundschuh: „Wir sehen, dass gerade ältere Menschen immer mehr auf materielle Hilfe angewiesen sind.“

Auch Menschen in Armutslagen steht ein menschenwürdiges Leben zu. Es gibt auch für sie ein Recht auf soziale Sicherheit und Teilhabe, ein Recht auf Arbeit und ein Recht auf einen angemessenen Lebensstandard. „Menschen mit geringen materiellen Ressourcen werden häufig an der Wahrnehmung von Rechten gehindert“, weiß Kilian Bundschuh und berichtet anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte, dass Frauen und Männer in Armut sich vor allem um die Sicherung ihres Lebensunterhalts kümmern müssen. „Die Armut lässt   es kaum zu, selbstbestimmt Ziele zu entwickeln und umzusetzen und schränkt Wahlmöglichkeiten ein.“ Die Caritas unterstützt Menschen konkret, die sich in sozialen Notlagen befinden, bei der Einforderung ihrer Rechte und durch Hilfe zur Selbsthilfe.

Neun Allgemeine Sozialberatungsdienste (ASBD) unterhält die Caritas im Bistum Würzburg. Damit deckt der Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche alle Städte und Landkreise im Regierungsbezirk Unterfranken ab. Die Beraterinnen und Berater stehen im engen Austausch untereinander; der Fachbereich „Arbeit und Armut“ im Diözesan-Caritasverband mit Sitz in Würzburg koordiniert und führt Erfahrungen sowie Statistiken zusammen.

Corona hat vieles verändert

„Während wichtige Behörden und Anlaufstellen für sozial benachteiligte Frauen und Männer nur noch telefonisch oder über E-Mails erreichbar waren, haben die Beratungsstellen der Caritas mit hohem Hygieneaufwand die Türen schnell wieder geöffnet und durchgängig den Kontakt zu den rat- und hilfesuchenden Menschen lebendig gehalten“, so Fachbereichsleiter Kilian Bundschuh. Seit Jahren sei bekannt, dass Menschen mit Unterstützungsbedarf die direkte Begegnung bräuchten. So sei der Anteil an Telefon- und Onlineberatung bei der Caritas zwar gestiegen, aber gut Zweidrittel der Kontakte fänden nach wie vor in der Beratungsstelle und dort von Angesicht zu Angesicht statt.

„Gerade bei komplexen Problemlagen funktioniert die Beratung auf Distanz nicht“, gibt Bundschuh die Erfahrungen seiner Kolleginnen und Kollegen aus den Orts- und Kreisverbänden der Caritas wieder. „Betroffene haben uns berichtet, dass sie von Behörden Brief auf Brief bekommen hätten und damit heillos überfordert waren.“ Dass, so Bundschuh, sei einer der häufigsten Gründe, den ASBD der Caritas aufzusuchen. „Gut 37 Prozent brauchen Hilfe bei Anträgen; 35 Prozent Unterstützung bei der Korrespondenz mit den Behörden“, erläutert Bundschuh die Statistik.

Kurzarbeit und Firmenpleiten

„Corona wirkt auch in Sachen Armut wie ein Brandbeschleuniger“, bringt es Bundschuh auf den Punkt und verweist darauf, dass immer mehr Frauen und Männer angeben, ihre finanzielle Lage habe sich durch die Corona-Pandemie nochmals verschlechtert. „Kurzarbeit, Insolvenzen, Firmenpleiten und Arbeitslosigkeit haben zugenommen. Das ganze Ausmaß wird sich erst im kommenden Jahr zeigen“, ist sich der Fachmann der Caritas sicher. „Dann wird der ASBD oftmals zum Vermittler an spezialisierte Beratungsstellen, etwa die Schuldner- und Insolvenzberatung.“

Gestiegen sei auch die Zahl derer, die das 60. Lebensjahr vollendet hätten. Ihr Anteil wuchs binnen Jahresfrist von 16 auf 24 Prozent. „Es sind oft Menschen, die mit ihrer kleinen Rente nicht hinkommen und auf Grundsicherung angewiesen sind.“

„Anerkannte Flüchtlinge, die länger als drei Jahre in Deutschland leben, werden im Regelfall nicht mehr durch die Migrationsberatungsstellen betreut. Sie wenden sich bei Bedarf ebenfalls an den ASBD“, erklärt Bundschuh und weist darauf hin, dass ihr Anteil nach wie vor bei ca. 60 Prozent liegt. Der Anteil an der Gesamtzahl der Klientinnen und Klienten sei seit Jahren erstmals leicht gesunken von 62 auf 60 Prozent.

Kirchlicher Dienst für die Menschen

„Die Arbeit der neun Beratungsstellen wird ausschließlich aus Kirchensteuer- und Spendenmitteln finanziert“, betont Bundschuh. „Wir sind sehr dankbar für das eindeutige Signal des Bischofs, dass die Kirche hier nicht bei den Ärmsten und Bedürftigsten sparen werde.“ Dankbar sei die Caritas an dieser Stelle auch für jede Spende. „Auf diese Weise können wir, was anderswo nicht gelingt: schnell und unbürokratisch helfen.“

Text Sebastian Schoknecht

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