Wassermangel: „Als Bauer muss man Optimist sein“

Die seit drei Monaten anhaltende Trockenheit macht dem Kraut auf dem Acker von Tobias Wild in Unterpleichfeld schwer zu schaffen. Der Öko-Landwirt demonstriert per Schaufel, wie sich das per Schläuche zugeführte Wasser im ausgetrockneten Ackerboden ausbreitet. Foto © Walter Sauter (POW)

Der Wassermangel und seine Auswirkungen auf den Wein- und Ackerbau in Unterfranken 

Der Klimawandel macht Landwirten, Winzern und Gärtnern in Unterfranken zunehmend zu schaffen. Die Fränkische Trockenplatte, ohnehin trockenste Region im Freistaat, leidet seit Jahren unter weiter zunehmendem Wassermangel.

Der Landsoziale Arbeitskreis der Katholischen Landvolkbewegung Bayern informierte sich bei einer Exkursion über die Auswirkungen auf den Wein- und Ackerbau. Die 15 Mitglieder aus allen Teilen Bayerns besichtigten den Demeterhof von Lothar und Tobias Wild in Unterpleichfeld und das Weingut Otmar Zang in Sommerach. Flankiert wurden die Besichtigungen durch umfassende Informationen von Jessica Schwittek, technische Beraterin für Gartenbau beim Amt für Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg, und Dr. Daniel Heßdörfer von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG).

Wassermangel durch längere Trockenperioden und mehr Wind

Die Bergtheimer Mulde, in der auch Unterpleichfeld liegt, verfügt laut Schwittek über 5.000 Hektar hochwertige Böden, von denen 1.200 Hektar überwiegend für Gemüse-, Obst- und Weinbau genutzt werden. Allerdings mache der Klimawandel den Landwirten das Leben zunehmend schwer. Zwar sei die Zahl der Regentage und auch die Regenmenge pro Jahr seit 30 Jahren gleich geblieben, aber die um ein Grad höhere Durchschnittstemperatur sorge für mehr Verdunstung, mehr Vegetationstage und damit zu mehr Wasserverbrauch, der zu Wassermangel führe.

Zudem sei die Verteilung der Regentage aufs Jahr schlechter geworden, denn der dringend notwendige Regen falle überwiegend im Winter. Auch Extremwetterlagen nähmen zu und es gebe längere Trockenperioden und mehr Wind, was zu stärkerer Bodenerosion führe. „Die Betriebe bekommen nicht mehr das Wasser, das sie zum Bewässern ihrer Felder benötigen, und haben dadurch keine Planungssicherheit mehr“, erklärte Schwittek.

Lieber Gemüse, das weniger Wasser benötigt

Diese Einschätzung teilte Landwirt Tobias Wild. Insgesamt stehen dem Hof laut geltendem Wasserrecht 6.000 Kubikmeter Grundwasser zur Bewässerung der Felder zur Verfügung. Nötig wäre aber in Trockenjahren mehr als die dreifache Menge. Wild steuert dem entgegen, indem er Gemüse anbaut, das weniger Wasser benötigt. Zudem bringt er das in einer 1,5 Kilometer langen Leitung vom Hof im Ort per Leitung zugeführte Wasser mittels Schläuchen auf seinen Feldern aus. So geht weniger von dem kostbaren Nass verloren.

Der Hof betreibt seit 1997 ökologischen Landbau nach den Öko-Richtlinien von Demeter. Derzeit werden 117 Hektar Ackerfläche bewirtschaftet. Angebaut werden etwa Kohlrabi, Kürbisse, Kartoffeln, Karotten, Zuckerrüben und das für Pleichfeld typische Kraut. Zudem werden jährlich rund 600 Schweine gemästet. Unterstützt wird die Familie von bis zu zehn Saisonarbeitskräften aus Rumänien. Wie unentbehrlich diese Mitarbeiter für den Betrieb sind, verdeutlichte Wild anhand von Hackstunden, die allein für Zuckerrüben anfallen. Pro Hektar seien es rund 120 Stunden im Jahr, bei rund 23 Hektar Anbaufläche kämen so locker weit über 2.500 Arbeitsstunden zusammen.

Auch wenn Wild von mannigfachen Hürden und manchmal schwer nachvollziehbaren Vorschriften von Ämtern, Problemen mit der Trockenheit und anderen Herausforderungen berichtete, blickte er zuversichtlich in die Zukunft: „Als Bauer muss man Optimist sein.“ Seine Arbeit mache ihm Spaß und als Gemüsebauer habe er eine höhere Wertschöpfung als viele andere Landwirte.

Wasser aus dem Main hochpumpen

Angesichts des sich verändernden Klimas will sich Wild künftig nicht nur auf das immer weniger werdende Grundwasser verlassen. Gemeinsam mit 15 anderen Betrieben hat er sich zum Bewässerungsverein Bergtheimer Mulde zusammengeschlossen. Das ehrgeizige Ziel: Wasser aus dem Main hochpumpen und auf den Feldern zur Bewässerung nutzen. „Bei einer mittleren Wasserführung des Mains von 120 Kubikmetern pro Sekunde würde es uns reichen, wenn wir pro Jahr zwei Stunden Durchfluss für unsere Bewässerung nutzen könnten.“ In Auftrag gegeben ist inzwischen eine Machbarkeitsstudie, mit der festgestellt werden soll, ob dieses Vorhaben gegen den Wassermangel realistisch und durchführbar ist.

Gigantische Bewässerungsanlage

Einen Schritt weiter ist man in Sommerach. Mit Unterstützung der Landesanstalt Veitshöchheim wurde dort im Jahr 2006 die größte, digital gesteuerte Bewässerungsanlage nördlich der Alpen gebaut. Insgesamt werden damit 200 Hektar Rebfläche mit Wasser aus dem Main versorgt. Die Sommeracher Weinbauern hätten sich schon Jahre zuvor über Bewässerungssysteme zum Beispiel in Kalifornien oder Südafrika kundig gemacht, sagte Otmar Zang. Den Zuschlag für den Bau der Anlage in Sommerach erhielt eine Firma aus Israel. Wie Stephan Strobel, zweiter Vorsitzender des Beregnungsverbands Sommerach, erklärte, sei oberstes Ziel, sorgsam mit dem kostbaren Gut Wasser umzugehen. Was durch das Bewässerungsprojekt erreicht werden konnte, sei eine Stabilisierung der Erträge sowie eine höhere Qualität der Weine. Auch werde die Fläche zwischen den Reben begrünt, was für eine geringere Bodenerosion sorge. Zudem verdunste das zugeführte Wasser nicht so schnell.

Nach Angaben von Daniel Heßdörfer von der LWG werden von den 6.000 Hektar Rebfläche in Franken 1.400 Hektar bewässert und davon wieder 300 Hektar zentral. Unter diesem Gesichtspunkt wird deutlich, welche Bedeutung für die Zukunft des Weinanbaus in Unterfranken die 200-Hektar-Anlage in Sommerach hat. So wertet die Landesanstalt etwa die Daten zur Bodentrockenheit digital aus, um daraus Rückschlüsse auf den Entwicklungsstand und den Trockenstress der Rebe ziehen zu können. Zugleich haben die Fachleute ein Auge auf die Wasserqualität des Mains. Ein wichtiger Aspekt ist beispielsweise, ob die Wasserentnahme Auswirkungen auf den Sauerstoffgehalt des Flusses hat. Ist zu wenig Sauerstoff im Wasser, kann das für das Leben im Main gravierende Folgen haben.

Walter Sauter (POW)

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