Wolfgang Weier: „Würzburg hat es verdient“

Foto Dita Vollmond

Geht nach 13 Jahren als Geschäftsführer: Interview mit Wolfgang Weier vom Stadtmarketing „Würzburg macht Spaß“

Seit 2013 ist Wolfgang Weier Geschäftsführer des Stadtmarketing „Würzburg macht Spaß“ und damit auch Veranstalter und Hauptverantwortlicher für das „Stadtfest Würzburg“. Davor hat er in Clubs und Diskos als DJ für Stimmung gesorgt, war Geschäftsführer und Abendbetriebsleiter unter anderem im legendären „Airport“. Er schrieb für Stadt- und Szenemagazine, war Pressesprecher in der Veranstaltungsbranche, war in verschiedenen Funktionen an der Berliner Loveparade oder der Honky Tonk-Eventreihe beteiligt, veranstaltete hunderte Konzerte – und demnächst macht er wieder etwas anderes.

Mitte des Jahres legt Weier seinen Posten beim Stadtmarketing wieder, weil er ein Angebot bekommen hat, „das ich nicht abschlagen konnte. Ich gehe wieder in die freie Wirtschaft.“ Was das genau ist, kann er noch nicht verraten – ein ausgiebiger Rückblick auf seine Zeit bei „Würzburg macht Spaß“ ist aber drin.

wob: Was hat sich seit Ihrem Antritt als Geschäftsführer im Würzburger Stadtleben positiv verändert?

Wolfgang Weier: Würzburg ist meine Heimat – und schon immer eine wunderschöne, lebenswerte Stadt gewesen. Was mich in den vergangenen dreizehn Jahren aber wirklich beeindruckt hat, ist, wie weltoffen unsere Stadt ist. Und das gerade in Zeiten, die alles andere als einfach waren.

Angesichts der lokalen und internationalen Krisen der letzten Jahre – Migrationsbewegungen, Terroranschläge, Corona-Pandemie, Energiekrise, Krieg in Europa und im Nahen Osten, Teuerung usw. – hätte unsere Stadtgesellschaft auch auseinanderbrechen können. Das Gegenteil war der Fall: Würzburg hat gezeigt, dass wir zusammenhalten. Dass Menschen füreinander einstehen. Es macht mich unheimlich stolz, Teil dieser Stadtgemeinschaft zu sein.

Welche Trends bewerten Sie als negativ – und wie kann man ihnen begegnen?

Weier: Da gibt es drei Entwicklungen, die mich ernsthaft beschäftigen. Erstens: der weiterhin zunehmende Trend zum Onlinekauf. Natürlich ist es bequem, den Einkauf per Klick nach Hause liefern zu lassen. Aber das Internet kann und wird niemals ersetzen, was den stationären Handel und die Gastronomie ausmacht: echte Erlebnisse, echte Begegnungen, echte Atmosphäre.

Zweitens: Die Menschen sind – auch in Würzburg – nach der Pandemie dünnhäutiger geworden. Weniger kompromissbereit, schneller in der Ablehnung, zögerlicher im Dialog. Die Fähigkeit, einen Schritt auf den anderen zuzugehen, ist eine Grundvoraussetzung für das Gelin-gen von Stadtentwicklung. Daran müssen wir als Gesellschaft arbeiten.

Drittens – und das ist mir persönlich sehr wichtig – sehe ich mit Sorge, wie wenig echte Kommunikation noch stattfindet. Sprachnachrichten und WhatsApps ersetzen zunehmend das persönliche Gespräch, das reale Treffen, die gemeinsam erlebte Zeit. Städte leben von sozialer Dichte und Begegnung. Wenn das verlorengeht, geht das Herz einer Stadt verloren.

Was waren die größten Herausforderungen Ihrer Amtszeit?

Weier: Tatsächlich waren die letzten 13 Jahre nicht immer einfach: Am Anfang stand eine Organisation nah an der Insolvenz, die bei der Stadt, im Stadtrat, in der Verwaltung, bei Unternehmen und Verbänden massiv an Reputation verloren hatte. Das war keine einfache Ausgangslage, denn Vertrauen zurückzugewinnen kostet Zeit, Ausdauer und eine Menge Gespräche.

Nachdem das gelungen war, war die zweite große Herausforderung die inhaltliche Transformation vom Stadtmarketing 1.0 – also vom klassischen Veranstalter und Innenstadt-Bespaßer – hin zum Stadtmarketing 3.0. Also hin zur Interessenvertretung, zum Ermöglicher, Moderator und aktivem Begleiter von Stadtentwicklungsprozessen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir inzwischen zu unseren Themen als Träger öffentlicher Belange gehört werden.

Und dann kam Corona und hat alles auf den Kopf gestellt. In dieser Zeit haben wir mit WüLivery einen taggleichen Lieferdienst für den Würzburger Handel aufgebaut, der seine Kunden nicht mehr im Geschäft empfangen durfte. Parallel haben wir die Würzburger Betriebe mit FFP2-Masken und Tests zum Selbstkostenpreis versorgt. Wo andere in Schockstarre verfallen sind und ihre Zeit im Homeoffice abgesessen haben, haben wir die Ärmel hochgekrempelt und uns komplett neu erfunden.

Welche Projekte sind für die Zukunft Würzburgs besonders wichtig?

Weier: Auch hier sind es wieder drei Themen, die aus meiner Sicht intensiv und schnell bearbeitet werden müssen. Erstens: Digitalisierung und K.I. – konsequent umgesetzt als Werkzeug für eine effizientere und attraktivere Innenstadt.

Zweitens: klimaresiliente Stadtentwicklung. Hitzeschutz, Begrünung und Aufenthaltsqualität sind keine Luxusthemen mehr, sondern inzwischen urbane Überlebensstrategie. Jedoch darf Klimaanpassung nicht dazu führen, dass Gewerbetreibende in ihrer Erreichbarkeit eingeschränkt werden. Beides muss zusammengehen.

Drittens wünsche ich mir für Würzburg – wie für viele deutsche Städte – mehr Mut zum Bürokratieabbau und zu einer schlankeren, schnelleren Verwaltung. Gute Ideen brauchen Luft zum Atmen. Die bekommen sie nur, wenn Prozesse nicht in Zuständigkeitsfragen oder Papierkram ersticken.

Was hätten Sie gerne früher gewusst – und was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

Weier: „Rom wurde nicht an einem Tag erbaut.“ Das ist die wichtigste Erkenntnis meiner dreizehn Jahre. In Würzburg gibt es jahrzehntelang gewachsene Strukturen und Beharrungskräfte, die sich nicht von heute auf morgen verändern lassen. Würde ich die Zeit zurückdrehen können, würde ich manche Themen anders – mit noch mehr Diplomatie und Geduld – angehen.

Für meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger: Bringen Sie genau diese Diplomatie und Geduld mit. Dazu ein breites Kreuz – Sie müssen durchsetzungsstark sein und werden auch Gegenwind aushalten müssen. Und bauen Sie sich rasch ein gutes Netzwerk: In einer Stadt wie Würzburg, in der jeder jeden kennt, ist das unerlässlich. Mit diesen drei Voraussetzungen können Sie loslegen. Würzburg hat es verdient!

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