Vitus Heller: Erinnerung an einen Würzburger Idealisten

„Die Nähe zur Klostermauer hätte ihm gefallen“, würdigte Enkel Gerhard Vitus Heller (Bildmitte) den gefundenen Ort für ein Andenken an seinen Großvater Vitus Heller. Oberbürgermeister Christian Schuchardt konnte zur Feierstunde auch Initiator Helmut Försch von der Geschichts-Werkstatt und Schwiegertochter Dorothea Heller und Enkelsohn Vitus Heller (von links) begrüßen. Foto Georg Wagenbrenner

Neuer Vitus-Heller-Weg in der Zellerau würdigt einen „leidenschaftlichen Kämpfer für soziale Gerechtigkeit“

„Vitus Heller war ein leidenschaftlicher Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, der kompromisslos für seine Überzeugungen einstand und sich von Widerständen nicht von seinem Weg abbringen ließ. Der sich vorbehaltlos in den Dienst der Gemeinschaft stellte und mit all seiner Kraft und unter großen persönlichen Opfern für das einsetzte, was er als gut und richtig ansah, und der es verstand, andere für seine Ideen zu begeistern“, würdigte Oberbürgermeister Christian Schuchardt den Politiker, Journalisten und überzeugten Christen.

Die Stadt Würzburg hat nun einen Weg in der Zellerau nach einer charismatischen Persönlichkeit, die 65 Jahre nach dem Tod noch viele Würzburgerinnen und Würzburger inspiriert, benannt. Die Grüne Achse am Kloster Himmelspforten hin zum Main trägt nun seinen Namen.

Der 1882 in Tauberrettersheim in kleinbäuerlichen Verhältnissen geborenen Heller hatte viele Talente. Helmut Försch, der einen ganzen Koffer mit von der Familie bewahrten Texten und Aufzeichnungen studierte, erinnerte bei der Feierstunde an einen Mann „der überzeugen und diskutieren konnte, für den die größten Hallen Würzburgs nicht ausreichten, wenn er als Redner angekündigt war“.

Ab 1911 baute er das Sekretariat des Volksvereins für Unterfranken in Würzburg auf, er schrieb im Fränkischen Volksblatt volkswirtschaftliche und politische Artikel. Ihn faszinierte die Idee von einem christlichen Sozialismus. Zur Verbreitung seiner Ideen gab er seit 1918 die Wochenschrift „Das Neue Volk“ heraus.

1921 erschien von ihm die Schrift „Nie mehr Krieg“. Hier verarbeitete er seine Erlebnisse als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg. Er stand an der Spitze der „Christlich-Sozialen Partei“, aus der die „Christlich-Soziale Reichspartei“ hervorging. Eine erneute Umbenennung in „Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlands – christlich-radikale Volksfront“ lässt die weitere Radikalisierung der Partei erkennen. So kam es auch zum Bruch mit dem Zentrum und über die Jahre mit vielen Weggefährten, die „christlich“ oder „katholisch“ anders definierten. 

Drei Monate im Konzentrationslager Dachau

Der bekennende Pazifist gehörte 1932 neben Albert Einstein, Erich Kästner, Heinrich Mann oder Stefan Zweig zu den 33 Unterzeichnern des „Dringenden Appells zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront zur Abwehr des Faschismus“. Entsprechend reagierten die Faschisten als sie das Sagen hatten. Nur einen Tag nach Hitlers Machtergreifung folgte die erste von mehreren Verhaftungen. Seine Zeitung wurde verboten, was die ganze Familie wirtschaftlich hart traf. Drei Monate verbrachte Heller im Konzentrationslager Dachau. In diesem Kontext muss auch seine spätere Loyalitätserklärung für Hitler 1939 gesehen werden.

Nach dem Krieg gehörte Heller zum Kreis um Adam Stegerwald, der im Oktober 1945 in Würzburg die CSU mitgründete, doch trat er dieser erst im Dezember bei, nachdem eine eigene Parteigründung gescheitert war. Den Vorsitz einer Spruchkammer musste er 1946 abgeben; eine Zeitung hatte seine Loyalitätserklärung für Hitler veröffentlicht. Von 1948 bis 1951 fungierte er als Flüchtlingskommissar für Stadt und Landkreis Würzburg. Am 18. Oktober 1956 starb er nach langer Krankheit.

Ein Idealist mit Schwächen und Fehlern

Schuchardt betonte, dass man in der Biografie Hellers auch Schwächen und Fehler oder in seinen Programmen diskussionswürdige Passagen entdecken könne. Dennoch brauche gerade auch unsere Zeit Vorbilder wie diesen Idealisten, der das geflügelte Wort „Wehret den Anfängen“ vorgelebt habe.

Für die Familie Hellers sprach bei der Feierstunde der älteste Enkel Gerhard Vitus Heller und brachte den Dank für die Ehrung zum Ausdruck. Er teilte mit den zahlreichen Festgästen auch sehr persönliche Erinnerungen an seinen „Opa“. Beispielsweise die einfachen Wohnverhältnisse nach dem Krieg, als Heller in einem Gartenhäuschen unweit des Käppeles wohnte. Dort bastelte er für seinen Enkelsohn auch eine Spielzeug-Armbrust. Dass der Pazifist seinem Enkel ausgerechnet das Schießen auf eine Zielscheibe beibrachte, mag einige überraschen. Der Großvater konnte aber auch dies überzeugend erklären. Auch im Leben eines Kindes brauche es einen festen Stand, einen ruhigen Atem und ein Ziel fest im Blick.

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