Neue Max-Mohr-Straße in Würzburg: „Akt der Wiedergutmachung“

Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Nicolas Humbert, der Enkel von Max Mohr. Foto Claudia Lother

Max-Mohr-Straße: Oberbürgermeister Christian Schuchardt enthüllt das Straßenschild

„Möge der anarchische Geist und die wunderbaren Ideen von Max Mohr durch die Stadt Würzburg wehen.“ Das wünschte sich sein Enkel Nicolas Humbert bei der Enthüllung des Straßenschildes „Max-Mohr-Straße“ nahe der Löwenbrücke.

Max Ludwig Mohr, jüdischer Arzt und Schriftsteller, wurde am 17. Oktober 1891 in Würzburg geboren und verstarb am 19. November 1937 im Exil in Shanghai. Mohr feierte mit Stücken wie „Improvisationen im Juni“ in den frühen 1920er Jahren Erfolge auf den großen Bühnen Deutschlands. „Ramper“, sein größter Erfolg, wurde gar verfilmt.

Würzburg liest „Frau ohne Reue“

Max Mohr schrieb fünf Romane und zwölf Theaterstücke und war einer der bedeutendsten Bühnen- und Romanautoren der Weimarer Republik. Seine Stücke spiegeln sowohl die Gegensätze Großstadt und Natur, aber auch Freiheit und konformistisches Gesellschaftskorsett wieder – so auch das diesjährige „Würzburg liest ein Buch“-Werk „Frau ohne Reue“.

Die Stadt Würzburg gedenkt dem jüdischen Mitbürger, der unter dem Druck des erstarkenden Nationalsozialismus und eines faktischen Berufsverbotes 1934 nach Shanghai emigrierte mit einem „Akt der Wiedergutmachung“ – so formulierte es Oberbürgermeister Christian Schuchardt, als er das Schild „Max-Mohr-Straße“ enthüllte.

Max Mohr: „Krieg ist grausames und sinnloses Töten“

Max Mohr wurde im Ersten Weltkrieg eingezogen und als Sanitätsoffizier eingesetzt. In diesen Zeitraum fallen seine ersten literarischen Versuche. Nachdem er die ärztliche Prüfung abgelegt hatte, kam er als Assistenzarzt an die Front und wurde mehrfach verwundet. Ende 1917 geriet er in Flandern in englische Kriegsgefangenschaft und wurde in ein Gefangenenlager bei Southhampton gebracht, aus dem er im September 1918 entlassen wurde.

Max Mohr hatte wie viele andere 1914 noch mit einem schnellen und siegreichen Kriegsende gerechnet, doch die Erfahrungen der Front bewirkten, dass er den Krieg als grausames und sinnloses Töten empfand und er jeglichen Heldenkult ablehnte.

Ende 1918 ging Mohr wieder nach München, wo er eine eigene Praxis eröffnete und im Folgejahr den medizinischen Doktortitel erwarb. Als Arzt verdiente er seinen Lebensunterhalt, sein eigentliches Interesse galt aber dem kulturellen Leben der Stadt. In Rottach am Tegernsee konzentrierte sich Max Mohr verstärkt auf seine literarischen Tätigkeiten. Im September 1920 ging er für einige Wochen nach Berlin in der Hoffnung, dort Verleger und Bühnen für seine Dramen zu finden.

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1934 nach Shanghai emigriert

Ab Sommer 1924 arbeitete Max Mohr an dem Drama „Ramper“. Das 1925 uraufgeführte Stück handelt von einem Forscher, in 20 Jahre in Grönland ohne Kontakt zu Menschen lebt, und seine Rückkehr in die Zivilisation.

Als ihm der Reichsverband Deutscher Schriftsteller 1933 die Mitgliedschaft als sogenanntem „Nicht-Arier“ verweigerte, verschlechterte sich die ohnehin prekäre Situation. 1934 entschloss sich Max Mohr zur Emigration; seine Frau und die damals achtjährige Tochter Eva sollten später nachkommen. Von Hamburg aus begann er die achtwöchige Seereise, die ihn nach Shanghai führte, wo kein Visum und keine Bürgschaften erforderlich waren. Dort eröffnete er eine eigene Praxis, sah sich aber großer Konkurrenz durch andere emigrierte Ärzte ausgesetzt.

Nach dem Angriff der Japaner auf China im Jahr 1937, als auch Shanghai von Kampfhandlungen betroffen wurde, war er als Arzt in einem Lazarett und einem Flüchtlingslager tätig. Am 13. November 1937 erlag Max Mohr einem Herzinfarkt. Die Urne mit seiner Asche liegt vor Helgoland auf dem Grund der Nordsee. Im gleichen Jahr wurden seine Bücher in Deutschland verboten.

Die Max-Mohr-Straße in Würzburg durchquert das westliche Sanderglacis und verbindet die Sanderglacisstraße und den Sanderring kurz vor der Ludwigsbrücke.

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