„Danke, dass wir hier in Sicherheit sein dürfen“

Die Stadt Würzburg vermittelt Ukrainerinnen und Ukrainer auch in Wohnungen von privaten Vermietern und hilft bei der Unterzeichnung der Mietverträge. Foto Siegfried Scheidereiter.

Stadt Würzburg vermittelt Ukraine-Flüchtlinge dauerhaft in private Wohnungen – 1.000 Menschen sind bereits angekommen

Elizaveta (Name von der Red. geändert) sitzt in einer Wohnung in Würzburg und unterzeichnet gerade ihren ersten Mietvertrag bei einem privaten Vermieter in Deutschland. Sie blickt sich um: „Danke, dass wir hier in Sicherheit sein dürfen“, sagt sie. Die Stadt Würzburg vermittelt derzeit private Wohnungen an Flüchtlinge aus der Ukraine – eine Mammutaufgabe.

Es ist die Aufgabe der Stadtverwaltung, Menschen wie Elizaveta, ihren Kindern, Müttern, Großeltern und Familien, die aus der Ukraine geflohen sind, eine Bleibe zu bieten. Ein Großteil der auf eigene Faust Geflüchteten ist bei Freunden und Familie untergekommen. In Würzburg sind das über 700, von denen die Stadtverwaltung aktuell weiß.

Aber viele der Frauen, Senioren und Kinder, die der Stadt Würzburg von der Regierung von Unterfranken zugewiesen werden, haben hier keine Familie, keine Freunde. Wo kommen sie unter, wie soll es für sie weitergehen?

Notunterkünfte für Flüchtlinge aus der Ukraine sind belegt

Die Notunterkünfte in der Pleichachtal-, Kürnachtal- und Dürrbachtalhalle sind belegt. Ebenso dezentrale Unterkünfte wie Reuterhaus oder die ehemalige Pflegestation des BRK in der Henlestraße. Weitere Notunterkünfte sind in Vorbereitung.

Ziel der Stadt Würzburg bleibt es aber weiterhin, die aus der Ukraine Geflüchteten auch in eigenen Wohnraum zu vermitteln, heraus aus Not- und Sammelunterkünften in geordnete und vernünftige Wohnverhältnisse. Vor allem, da der Großteil der hier Angekommenen Mütter mit Kindern sind. Seit dem ersten Tag übernimmt die Stadt Würzburg daher auch eine Vermittlerrolle in Privatwohnungen.

Eigene Wohnung, mindestens sechs Monate

Jeder weiß, wie überlastet der Wohnungsmarkt in Würzburg ist. Daher sind die privaten Wohnungsangebote, die der Stadt genannt werden, ein Zeichen großer Hilfsbereitschaft. Aber es ist nicht jeder Wohnraum, der im Sozialreferat der Stadt Würzburg gemeldet wird, geeignet.

Und so hat das Angebot Grenzen: Die Ausziehcouch, das Zimmer in der WG oder in der eigenen Wohnung sind zwar häufig gut gemeinte Angebote, aber ganz einfach nicht praktikabel. „Die Menschen brauchen abgeschlossene Wohneinheiten mit eigener Infrastruktur“, erklärt Manuel Herrlein, Fachabteilungsleiter „Grundsatzfragen und Asyl“ im Fachbereich Soziales. „Und wir mieten für mindestens sechs Monate, am besten länger. Eine kürzere Mietdauer oder das Beziehen einzelne Zimmer würde das Problem nur verschieben.“

Ein Keller ohne Fenster ist kein Wohnraum

Was gar nicht geht, aber tatsächlich schon angeboten wurde: der fensterlose Raum im Keller, der Wunsch nach einer „jungen Frau“ als Mieterin, überzogene Mietpreise oder dass die Stadt Würzburg die Wohnung erst mal renovieren soll.

„Wir telefonieren mit jedem Vermieter möglich passender Objekte“, berichtet Christine Blum-Köhler, Integrationsbeauftragte der Stadt Würzburg. Sie sichtet und sortiert gemeinsam mit zwei weiteren Sozialpädagoginnen die privaten Wohnungsangebote. „In den Gesprächen klären wir die Wohnraumsituation, prüfen auf Seriosität und hinterfragen, für welche Personenkonstellationen sich der zur Verfügung gestellte Wohnraum eignet: Einzelpersonen, Familien, allein reisende Frauen mit Kindern, Seniorinnen und Senioren. Wir klären auch, ob Mobiliar vorhanden ist.“

Geklärt werden bereits zu diesem Zeitpunkt auch die Verfahrensweisen von Registrierung bis Kostenübernahme. Ziel ist es, langfristig Wohnungen zu mieten, trotzdem wurden auch die Vermieterinnen und Vermieter kurzfristiger Angebote kontaktiert. „Bei manchen stellte sich glücklicherweise heraus, dass sie auch zu einer längerfristigen Vermietung bereit sind.“

„Ein Ankommen ermöglichen“

Anspruch ist es, die Wohnungen so gut auszusuchen, dass sie zu den Bedürfnissen der Familien und der Vermieter passen. „Wir möchten den Menschen nicht innerhalb kürzester Zeit weitere Umzüge und Kindern einen erneuten Schulwechsel zumuten, sondern, so schnell es nur geht, ein Ankommen ermöglichen. Daher gehen wir bei der Auswahl möglicher Wohnungen trotz Zeitdrucks und Komplexität gewissenhaft vor“, so Christine Blum-Köhler.

Das ist eine komplexe Aufgabe: Wer ist besonders vulnerabel, wer ist krank, wer braucht eine behindertengerechte, barrierefreie Wohnung, wer braucht einen Aufzug, wer bringt ein Haustier mit? Kann das kranke Seniorenpaar allein in eine Wohnung einziehen? Ist ein schulpflichtiges Kind dabei?

Parallel zur Sondierung der Wohnraumangebote erstellt der Verein Mrija eine Übersicht der Wohnungssuchenden mit allen Fakten wie Alter der Eltern/Mütter, Alter der Kinder, Erkrankungen, Sprachvermögen und vieles mehr. Mrija e.V. übernimmt hier weitere wichtige Funktionen: Die Vereinsmitglieder vermitteln sowohl sprachlich als auch kulturell, begleiten bei der Wohnungsbesichtigung oder auch an die entsprechenden Stellen zur Registrierung und Antragstellung. Die Koordination, um Angebot und Nachfrage zusammen zu bringen, wird ergänzend vom Sozialreferat übernommen.

Eine besondere Herausforderung besteht in der Dynamik der Vermittlungsprozesse. Häufig kommen „von heute auf morgen“ bei nur einem Kontakt mehrere Personen hinzu, die zusätzlich Wohnraum suchen. Oder Familien oder Frauen, die gemeinsam auf der Flucht waren, wollen gerne zusammenbleiben.

Weitere Begleitung durch die Stadt

Für Menschen mit besonderen Bedarfen aufgrund von Erkrankungen oder Behinderung sowie für Seniorinnen und Senioren bestehen Kooperationen mit Würzburger Institutionen, den Senioreneinrichtungen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. „Es ist einfach nicht möglich, einen Rollstuhlfahrer oder ein erkranktes Seniorenehepaar in der Notunterkunft wie der Kürnachtalhalle unterzubringen“, so Blum-Köhler. Waren Vermittlung und Umzug in das neue Zuhause doch erfolgreich, werden sowohl die Vermieterinnen und Vermieter als auch die Mieterinnen und Mieter weiterhin durch den städtischen Fachbereich Integration, Inklusion und Senioren begleitet.

Die Vermittlung funktioniert so gut, dass aktuell nur noch wenige Wohnungen frei sind. Bei den Menschen, die eine Unterkunft gefunden haben, handelt es sich hauptsächlich um Mütter mit Kindern oder um Großmütter, Mütter und Kinder. Täglich kommt eine Vielzahl neuer Gesuche hinzu, und auch Angebote werden dem Sozialreferat nach wie vor mitgeteilt. Insgesamt dürften sich aktuell etwa 1.000 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer neu in Würzburg aufhalten. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Über 700 sind bei Freunden und Familien untergekommen.

Private Wohnungen für Flüchtlinge in Würzburg weiterhin gesucht

Wer Wohnraum für die Flüchtlinge aus der Ukraine in Form von abgeschlossenen Wohnungen für mindestens sechs Monate in der Stadt Würzburg anbieten kann, schreibt bitte eine Mail an sozialreferat@stadt.wuerzburg.de.

Vermieter, die ihr Angebot bei der Stadt bereits gemeldet haben, bisher aber noch nicht angeschrieben oder angerufen wurden, werden um Geduld gebeten. Sie werden noch kontaktiert. Da die Prüfungen umfangreich sind, können sie etwas Zeit in Anspruch nehmen. Die Stadt Würzburg tritt hier nur in der Vermittlerrolle auf, sie ist selbst nicht Mieterin der Objekte.

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