Sicherheitsbilanz Würzburg 2020: Corona-Demos statt Kiliani

Foto © Bayerische Polizei

Polizei Würzburg zieht Sicherheitsbilanz 2020: „Insgesamt deutlicher Rückgang der Straftaten im Stadtgebiet“

Das vergangene Jahr war umfassend von der Corona-Pandemie geprägt, und das hat auch die Arbeit der Polizei maßgeblich beeinflusst. Jetzt zieht die Polizei die Sicherheitsbilanz 2020 für die Stadt Würzburg. Das Ergebnis: Es gab 2020 insgesamt deutlich weniger Straftaten und auch weniger Verkehrsunfälle im Stadtgebiet. Die Aufklärungsquote ist dagegen gestiegen.

Im Jahr 2020 wurden im Einsatzleitsystem der Bayerischen Polizei rund 27.700 Einsätze für den Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt registriert. Daraus resultierten insgesamt 9.138 Strafanzeigen, die von der Polizei im Stadtgebiet aufgenommen wurden. Von diesen Straftaten konnten 6.503 Fälle aufgeklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 71,2 Prozent entspricht. Bereinigt um die „ausländerrechtlichen Verstöße“ beträgt die Aufklärungsquote für das Stadtgebiet Würzburg 70,4 Prozent (Bayern insgesamt: 66,4 Prozent).

Insbesondere vor dem Hintergrund von Zusatzbelastungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, darunter die Betreuung nahezu täglich stattfindender Versammlungslagen sowie der Überwachung der Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, sei das ein hervorragendes Ergebnis, so die Polizei.

Betrachtet man die tatsächliche Kriminalitätsbelastung in Würzburg, so entfallen (ohne die ausländerrechtlichen Verstöße) auf 100.000 Einwohner 6.958 Straftaten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine erfreuliche Abnahme um 7,8 Prozent.

Straftaten: Niedrigster Stand in Würzburg in zehn Jahren

Insgesamt registrierte die Polizei in Würzburg im Jahr 2020 816 Straftaten weniger als noch 2019. Damit konnte der niedrigste Stand der Fallzahlen der letzten zehn Jahre erreicht werden. In annähernd allen Deliktsbereichen sind die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr teilweise sogar deutlich gesunken. Beispielsweise bei den Rohheitsdelikten, den Diebstahlsdelikten sowie den Rauschgiftdelikten belaufen sich die Rückgänge auf bis zu 22 Prozent. Zu einem Anstieg der Fallzahlen kam es unter anderem bei den Straftaten gegen das Leben sowie gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Die Anzahl der Wohnungseinbrüche stieg nach Rückgängen in den Vorjahren leicht auf 53 Straftaten an. Gleichzeitig konnte aber die Aufklärungsquote um 17 Prozentpunkte auf nun rund 38 Prozent gesteigert werden. Obwohl die Wohnungseinbrüche mit nur 0,6 Prozent lediglich einen ganz geringen Anteil an der Gesamtkriminalität ausmachten, beeinträchtigen gerade diese Fälle das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung immens. Aus diesem Grund setzte die Polizeiinspektion Würzburg-Stadt ihre gezielten Kontrollmaßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungseinbrüche konsequent fort.

„Typischer Täter“: Männlich, unter 21, besoffen

Insgesamt konnte die Polizei 4.485 Tatverdächtige (Vorjahr: 4.842) ermitteln, wovon 79 Prozent männlich und 21 Prozent weiblich waren. Die Anzahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen betrug 1.691 (Vorjahr: 1.714), was einem Anteil von 37,7 Prozent entspricht. Nach wie vor sind die unter 21-Jährigen (gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von 16,1 Prozent) mit rund 23 Prozent aller Tatverdächtigen überproportional bei der Begehung von Straftaten vertreten.

Jugendliche (bis 18 Jahre) sind bei Diebstahlsdelikten, gefolgt von Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz am häufigsten strafrechtlich aufgefallen. In der Gruppe der Heranwachsenden (18 bis 21-Jährige) wurden mit 156 Straftaten die meisten Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz registriert. Gut 14 Prozent (2019: 15,2 Prozent) aller Tatverdächtigen standen bei der Tatausführung unter Alkoholeinfluss.

Viele Demos von Pandemie-Leugnern in Würzburg

Wie die Sicherheitsbilanz auch zeigt, hatte die Polizei Würzburg-Stadt 2020 eine Vielzahl von anspruchsvollen Einsatzlagen außerhalb des alltäglichen Dienstes zu bewältigen. Bei insgesamt 462 Einsätzen im Stadtgebiet waren unter Führung der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt insgesamt 4.840 Polizeibeamte aus Unterfranken, von benachbarten bayerischen Polizeidienststellen und der Bayerischen Bereitschaftspolizei eingesetzt.

Die Zahl der Versammlungen unter freiem Himmel stieg im Vergleich zum Vorjahr, trotz zeitweise verhängten Versammlungsverbotes im März 2020, nochmals an. Insgesamt kam es zu 254 öffentlichen Versammlungen (2019: 209). Thematischer Schwerpunkt war in der Regel die Kritik an Corona-Maßnahmen bzw. die Leugnung der Pandemie, einschließlich daraus resultierender Gegenproteste.

Wegen der Pandemie kam es zu einem erheblichen Rückgang bei sonstigen Veranstaltungen (Volksfeste, Faschingsveranstaltungen, Weihnachtsmarkt, Weinfeste, Konzerte etc.). Insgesamt fanden nur 30 derartige Anlässe im Stadtgebiet Würzburg statt. Diese Anzahl lag in den Vorjahren noch bei rund 150. Zu den weiteren Aufgaben der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt zählt die Begleitung und Absicherung von sportlichen Ereignissen. Ebenfalls Pandemie-bedingt kam es mit nur 41 Sportveranstaltungen zu einer deutlichen Abnahme in diesem Bereich (Vorjahr: 77).

Gewalt gegen Polizeibeamte

88 Tatverdächtige haben 2020 in Würzburg körperliche und/oder verbale Gewalt gegen Polizeibeamte ausgeübt. Besorgniserregend ist dabei, dass rund 68 Prozent der Tatverdächtigen dabei unter dem Einfluss berauschender Mittel stand. Die Zahl der geschädigten Polizeibeamten ist mit 281 leicht gesunken. Die Zahl der bei der Dienstausübung verletzten Polizeibeamten lag im Stadtgebiet Würzburg bei 35 Beamten (2019: 61). Am häufigsten werden Polizisten im Dienst Opfer von tätlichen Angriffen sowie Beleidigungen.

Sicherheitsbilanz 2020: Verkehrsunfälle in Würzburg weit unter dem Niveau der Vorjahre

Im Jahr 2020 ereigneten sich auf Würzburgs Straßen insgesamt 5.088 Verkehrsunfälle. Damit bewegen sich die Unfallzahlen weit unter dem Niveau der Vorjahre und erreichten den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre.

Leider ereigneten sich aber auch wieder zwei tödliche Verkehrsunfälle. Bei den 5.088 Unfällen wurden insgesamt 621 Personen verletzt, was einem Rückgang von 14,6 Prozent entspricht. Bei Betrachtung der Altersstruktur der Unfallverursacher fällt die Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 24 Jahre besonders auf. Diese jungen Fahranfänger sind mit einem Anteil von 16 Prozent überproportional an allen schweren Verkehrsunfällen im Stadtgebiet beteiligt.

Auch das steht in der Sicherheitsbilanz 2020 der Polizei Würzburg auf der Habenseite: Erfreulicherweise gingen die Fallzahlen bei den alkoholbedingten Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr deutlich zurück. Zu einem Anstieg kam es jedoch bei den Radfahrunfällen. Insgesamt 242 Mal waren Radfahrer an Verkehrsunfällen beteiligt, von denen 195 verletzt wurden. In 142 Fällen wurden die Radfahrer als Unfallverursacher geführt.

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