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Stadt Würzburg

Pelze und Leder Drescher in der Eichhornstraße schließt

Pelze Leder Drescher Eichhornstrasse Wuerzburg

Der heutige Laden in der Würzburger Eichhornstraße 15-17. Foto Drescher

Ende nach 366 Jahren: Das Fachgeschäft für Leder und Pelze Drescher in der Würzburger Eichhornstraße schließt. Der Ausverkauf läuft, spätestens im Frühjahr 2021 soll Schluss sein

366 Jahre Firmengeschichte gehen zu Ende: Im Frühjahr 2021 schließt die Firma Pelze und Leder Drescher ihr Geschäft in der Eichhornstraße in Würzburg. „Mit einem Joachim hat es 1654 begonnen und mit einem Joachim wird es 2021 auch enden“, resümiert Joachim Drescher, Inhaber der Firma Pelze und Leder Drescher. Der „Urvater“ des Familienbetriebs hatte sich kurz nach dem 30-jährigen Krieg in Schweinfurt niedergelassen und dort eine Kürschnerei in der Kesslergasse gegründet – heute das Elternhaus Joachim Dreschers. Anfang der 1980er Jahre eröffnete sein Vater Hansgeorg eine Filiale in der Würzburger Schustergasse. Weil die Geschäfte gut gingen, musste schnell vergrößert werden: 1986 folgte der Umzug in die Eichhornstraße.

Pelze Leder Drescher
Ein Bild aus längst vergangenen Zeiten: Grete und Otto Drescher, die Großeltern des heutigen Inhabers, ca. 1925 vor ihrem Laden in Schweinfurt. Foto Drescher

Seit vielen Generationen Kürschnermeister

„Seit der Gründung sind wir Kürschnermeister von Beruf, in direkter Ahnenfolge seit vielen Generationen“, erzählt Drescher. Dass nun ausgerechnet er den jahrhundertealten Familienbetrieb schließen muss, schmerzt.

Doch Drescher ist nicht nur Kürschnermeister, sondern auch Diplom-Kaufmann. Und unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten blieb kaum eine Wahl. So ist der Handel mit Pelzen grundsätzlich ein Saisongeschäft, im Winter muss der Großteil des Umsatzes erwirtschaftet werden. Daher ergänzte Drescher das Sortiment schon vor Jahren um Artikel wie Taschen, Geldbeutel, Strohhüte sowie Dirndl und Tracht, die auch im Sommer gehen. „Darüber hinaus führen wir eine große Kollektion an Lederbekleidung“, fügt Drescher hinzu.

Das damals noch kleine Geschäft 1982 in der Würzburger Schustergasse 12. Foto Drescher

Klimawandel – beim Wetter und beim Konsumenten

Dennoch erschwerten die zunehmend warmen Winter und die heißen Sommer der letzten Jahren den Absatz der Waren. Auch wenn Pelz aus nachhaltiger, sauberer Erzeugung nach wie vor seine Liebhaber findet, so ist der Markt doch zu klein geworden. Hinzu kommt ein Wertewandel in der Gesellschaft, der einhergeht mit Veränderungen im Konsumentenverhalten. Dass vor allem die auswärtige Kundschaft zunehmend über die schlechte Erreichbarkeit der Innenstadt klagt, erschwert die Situation weiter.

Nicht zuletzt hinterlässt auch der boomende Internethandel deutliche Spuren bei den alteingesessenen Geschäften in den Innenstädten. „Der Online-Handel kommt für uns nicht in Frage“, erklärt Drescher. Dazu sei das Produkt zu hochwertig. „Unsere Stärken waren und sind seit jeher fachkundige Beratung und Service gepaart mit handwerklichem Können. Das finden Sie nicht im Internet.“ Außerdem müsse die Ware gefühlt und erlebt werden, um eine vernünftige Kaufentscheidung treffen zu können: „Das kann ein Computerbildschirm nicht bieten“.

Auch der Umbau der Eichhornstraße zur Fußgängerzone sitzt den dort ansässigen Geschäftsleuten noch in den Knochen. „Dieser Herausforderung haben wir uns gestellt“, sagt Drescher, trotz eines zeitweiligen Umsatzrückgangs von 30 bis 50 Prozent. „Die Jahre der Baustelle konnten wir mit unseren Rücklagen auffangen, da wir immer sparsam und umsichtig gewirtschaftet haben“, so der Kaufmann. Geholfen habe auch das gute Baustellenmanagement in der Eichhornstraße: „Ende 2019 waren wir eigentlich wieder ganz gut dabei“.

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Ausverkauf in der Einhornstraße…

„Pandemie hat uns regelrecht ausgebremst“

Dann kam Corona. „Die Pandemie hat uns regelrecht ausgebremst“, kommentiert Drescher. Nach dem Shut-Down war nichts mehr wie vorher. Lieferanten konnten teilweise nicht liefern, weil Fabriken still standen. Kollektionen wurden gekürzt, der Dirndl- und Trachtenmarkt brach völlig zusammen. Tagestouristen blieben aus, auch die heimische Laufkundschaft nahm ab. Steigende  Inzidenzienzahlen führen zu einem sofortigen Rückgang der Geschäfte, beobachtet Drescher.  

Gleichzeitig laufen die Kosten weiter. „Unter diesen Voraussetzungen hat ein inhabergeführtes Unternehmen unserer Ausrichtung und Größenordnung kaum eine Überlebenschance“, urteilt Drescher. Den Zeitpunkt der Schließung hat der Geschäftsmann bewusst gewählt: „Es war mir ein großes Anliegen, dass meine langjährigen Mitarbeiterinnen, die kurz vor der Altersgrenze standen, noch geregelt in Rente gehen konnten, ohne kurz vor Schluss noch arbeitslos zu werden“, sagt Drescher. „Das hat gut geklappt!“

Ein herzliches Dankeschön möchte Drescher noch an seine treuen Stammkunden loswerden. „Um die tut es mir wirklich leid. Bisweilen sind aufgrund der jahrelangen Bindung schon so etwas wie Freundschaften entstanden“. Der Ausverkauf der Winterware hat vor wenigen Tagen bereits begonnen, im Frühjahr 2021 soll dann endgültig Schluss sein.

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