Maria 2.0 schlägt Thesen an Kirchentüren

Zwei Aktivistinnen der katholischen Reforminitiative Maria 2.0 hängen ein Plakat mit ihren Thesen an das Hauptportal des Freiburger Münsters. Foto Philipp von Ditfurth/dpa

Bewegung Maria 2.0 fordert Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche

(dpa) – Die katholische Reforminitiative Maria 2.0 hat sich ein Beispiel an Martin Luther genommen und am Sonntag an mehreren Orten in Deutschland Thesen an Kirchentüren aufgehängt.

Aktionen gab es unter anderem in München, Augsburg, Köln, Mainz und Freiburg – und auch in Würzburg, wo Plakate mit sieben Thesen an den Eingangstüren des Kiliansdoms und der Marienkapelle angebracht wurden. Seit einem Jahr gibt es die Bewegung Maria 2.0 auch in der Diözese Würzburg. Als Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes hat Edeltraud Hann sie initiiert. Das Ziel der 64-Jährigen ist, dass nicht noch mehr junge Frauen der Kirche den Rücken kehren, wie der BR auf seiner Webseite berichtet.

„In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern“, lautet die erste These auf dem Plakat. Die feministische Bewegung setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein. Sie kämpfen gegen sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch, den Pflichtzölibat und für eine offenere Sexualmoral.

2019 hatte Maria 2.0 schon einmal mit einem Kirchenstreik die katholische Kirche aufgemischt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete Anfang Februar, dass sich die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre mit Maria 2.0 befasse. Stein des Anstoßes soll ein Protest der Frauenrechtlerinnen gegen die Zurückhaltung eines Missbrauchsgutachtens durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sein.

„Es zeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben“

Die Reformerinnen sehen sich nach den Berichten über eine Beobachtung durch den Vatikan in ihrer Arbeit bestätigt. „Das ist ein Ritterschlag“, sagte die Mitgründerin der Bewegung, die Münsteranerin Lisa Kötter. „Es zeigt doch, dass wir einen Nerv getroffen haben.“

Im Jahr 1517 hatte Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation und die Spaltung in die katholische und evangelische Kirche eingeläutet. „Das mit der Kirchenspaltung ist immer ein Gespenst, das aufgebaut wird, wenn Kritiker sich mit uns befassen“, sagte Kötter kurz vor der Aktion. „Es heißt ja auch immer, Luther habe die Kirche gespalten, aber das stimmt doch nicht. Gespalten werden die Dinge, die erstarrt sind. Elastische Dinge können Sie nicht spalten.“

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte, er verstehe die Unruhe, die viele Gläubige in der Kirche verspürten. „Wir wissen darum, dass es Veränderungen bedarf. Deshalb hat die Deutsche Bischofskonferenz den Synodalen Weg ins Leben gerufen.“ Der Synodale Weg ist ein Reformprozess, der sich unter anderem mit der katholischen Sexualmoral und der Position der Frauen in der Kirche beschäftigt.

„Protest ist sicherlich ein legitimes Mittel“, sagte Kopp. „Aber wir können nicht von heute auf Morgen die Kirche ändern, sondern müssen das in einem guten und von Vertrauen geprägten Dialog tun.“ Dazu gehöre auch das Gespräch mit dem Vatikan. Die Kirche in Deutschland werde bei Fragen von weltkirchlicher Relevanz keinen Sonderweg ohne Rom gehen.

Das Plakat am Eingangsportal des Würzburger Doms hing übrigens nicht lange dort: Kurz nach der Aktion wurde es entfernt.

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