Dornblut Pelze in der Semmelstraße schließt nach 57 Jahren

Matthias Dornblut (rechts) übernahm das Geschäft von seinem Vater Dietrich Dornblut (links): Bald wird das Pelzhaus in der Semmelstraße schließen – Dietrich und Rosina Dornblut (Mitte) gehen dann in Rente.

Wieder ein Traditionsgeschäft in Würzburg weniger – Dornblut Pelze schließt – gesamter Warenbestand um 50 Prozent reduziert

Das nächste traditionsreiche Unternehmen, das in Würzburg die Segel streicht, ist Dornblut Pelze in der Semmelstraße: Nach fünf Generationen und 57 Jahren ist Feierabend.

Wenn man die Leute fragt, was in Sachen Kleidung und Mode wichtig ist, wollen sie angeblich alle dasselbe. Individuell müssen die Stücke sein, die eigene Persönlichkeit sollten sie unterstreichen. Die Qualität muss stimmen, der Preis sollte fair sein, und Nachhaltigkeit ist natürlich auch ganz wichtig. Wenn man mit dem Einkauf den Händler nebenan unterstützen kann, ist das umso besser – denn eine bunte, interessante und abwechslungsreiche Innenstadt finden schließlich auch alle ganz dufte.

Warum, und das ist schon erstaunlich, scheinen dann gerade die Geschäfte, die all das bieten, eines nach dem anderen aus der Innenstadt zu verschwinden? Das nächste traditionsreiche Unternehmen, das die Segel streicht, ist das Pelzhaus Dornblut. Nach fünf Generationen und 57 Jahren ist Feierabend. Matthias Dornblut, ausgebildeter Kürschner und Sohn von Rosina und Dietrich Dornblut, ist der letzte Inhaber des Familienunternehmens, das für hochwertige Pelz- und Lederbekleidung steht und voraussichtlich zum Jahreswechsel für immer schließen wird.

Die Einkaufswelt wandelt sich

„In unserem Geschäft gibt es keine Massenware von sonst woher“, sagt Matthias Dornblut. „Unsere Kreationen stammen aus dem hauseigenen Atelier, wurden von unserem geschulten Fachpersonal gefertigt und sind deshalb mit Sicherheit Unikate der besonderen Art.“ Qualität nach allen Regeln der traditionellen Handwerkskunst, Nachhaltigkeit durch fachmännische Reparaturen und Umarbeitungen – nicht mehr gefragt?

Vielleicht geht – allen Lippenbekenntnissen der Konsumenten zum Trotz – die Zeit solcher Fachgeschäfte tatsächlich zu Ende. Seniorchef Dietrich Dornblut kann jeden Tag beobachten, wie sich die Einkaufswelt verändert. „Die Leute kaufen im Internet ein, und in die Stadt kommen sie hauptsächlich noch zum Kaffeetrinken.“ Auch das Gesicht, das Flair der Semmelstraße habe sich verändert – nicht unbedingt zum Besseren.

Die Stammkunden sind traurig

Dazu kommt, das darf man nicht vergessen: Pelze zu tragen findet gesellschaftlich – besonders bei jungen Menschen – immer weniger Akzeptanz. Verantwortungsvolle Zuchtmethoden, handwerkliche Traditionen und selbst der Verweis auf die Nachhaltigkeit von Pelz und Leder (anders als bei Steppjacken aus Kunststoff, die vordergründig billig sind, aber das Grundwasser verpesten und die Welt mit Mikroplastik verseuchen) können diesen Trend nicht umkehren. Auch hier haben sich die Zeiten gewandelt.

Die Stammkunden des Pelz- und Lederhauses Dornblut sind trotzdem traurig: „Seit langen Jahren erfreue ich mich an meinen Einkäufen, an ihrer Schönheit, Verarbeitung und Haltbarkeit, sie täglich zu verwenden mit dem Bewusstsein einer hohen Wertschätzung“, schreibt eine Kundin zum Abschied. Eine andere erinnert sich vor allem an das „überwältigende und vielfältige Angebot“ – und an die liebenswerten Inhaber: „Frau Dornblut ist eine sehr nette, kompetente Dame, die mich sehr gut beraten hat. Herr Dornblut ist ein richtiger Geschäftsmann, nett, freundlich, ein Charmeur, der einen exzellent und individuell bedient. Ich habe mich als Kundin sehr wertgeschätzt und wohl gefühlt. Wenn das Geschäft leider bald geschlossen wird, wird das ein großer Verlust nicht nur für Würzburg sein.“

Vielleicht schauen Sie vorher in der Semmelstraße 32 vorbei – bevor ein weiteres Stück Würzburger Zeitgeschichte verschwunden sein wird. Der gesamte Warenbestand ist um 50 Prozent reduziert.

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