Der Genesis G70 2.2D im wob-Autotest

Genesis G70 2.2D Sport: Frischer Wind aus Südkorea in der automobilen Mittelklasse. Foto Thomas G. Zügner

Attraktive Alternative in der Mittelklasse: Der neue Genesis G70 2.2D Sport aus Südkorea will die deutschen „Platzhirsche“ ärgern

von wob-Testpilot Thomas G. Zügner (für mehr Autotests hier klicken)

Ausländische Autohersteller haben es traditionell gerade in der Mittelklasse schwer auf dem deutschen Markt. Mit dem neuen Genesis G70 2.2D Sport startet ein Südkoreaner einen Angriff auf die einheimischen „Platzhirsche“.

Design: Die Stufenheck-Limousine mit der etwas nüchternen Bezeichnung G70 zieht sich auf eine Länge von knapp 4,69 m. Vor der langen Motorhaube haben die Designer einen großen Kühlergrill in V-Form und in Wabenoptik platziert, dazu schmale LED-Scheinwerfer, die durch einen kleinen Karosseriestreifen getrennt werden. Ab dem mittleren Dachpfosten erzeugt eine stark nach hinten abfallende Dachlinie für eine sportlich-elegante Coupéform des Viertürers. Ein wenig blass und einfallslos geriet dagegen das Heck mit dem Genesis-Schriftzug in Versalbuchstaben.

Innenraum: Geschmackvoll eingerichtet ist das noble Fernost-Gefährt. Die Materialien fühlen sich angenehm an, bei den Bedienungselementen bleibt die Aufmerksamkeit des Fahrers auf das Verkehrsgeschehen erhalten. Dazu gehören große Tasten und Schalter sowie ein handlicher Wählhebel für das achtstufige Automatikgetriebe. Beheizen lassen sich die elektrisch verstellbaren Vordersitze, die äußeren Plätze im Fond sowie das hochwertige Lederlenkrad. Eine lohnende Investition stellen die 3570 Euro dar für das Innovations-Paket. Dafür gibt es Totwinkelwarner, Rundumsichtmonitor, Einparkhilfe vorne, hervorragende Scheinwerfer einschließlich automatischem Fernlicht und Head-up-Display. Dazu kommen dreidimensionale Rundinstrumente im virtuellen Cockpit. Trotz des passablen Radstands von fast 2,84 m geht es im Fond reichlich eng zu für Knie und Beine. Den unkomfortablen Mittelplatz kann man guten Gewissens niemandem zumuten. Für den mit billig wirkendem Nadelfilz verkleideten Kofferraum nennt der Hersteller ein Fassungsvolumen von 330 Litern, was aber untertrieben erscheint. Das Ladeabteil mit der im Verhältnis 60:40 umklappbaren Rücksitzlehne lässt sich erweitern, was zusätzliche Kapazitäten einbringt.

Antrieb: Auch wenn ein sanft klingender Sechszylinder sicherlich standesgemäßer wäre, stellt der etwas kratzig tönende Vierzylinder-Turbodiesel eine recht gute Wahl dar. Denn der Direkteinspritzer bringt es auf leistungsstarke 200 PS und wuchtet mit 440 Nm ordentlich Zugkraft auf die Kurbelwelle. Vier unterschiedliche Fahrmodi verändern nicht nur die Charakteristik des Motors und der Dämpfer, sondern auch die Optik der Instrumente.

Fahrbetrieb: Im Laufe des wob-Testbetriebs kristallisierte sich der Comfort-Modus als die für den Alltag ideale Einstellung heraus, wobei die Anzeigen mit goldfarbenen Zeigern, Umrandungen und Grafiken erstrahlen. Mit etwas mehr als sieben Liter Diesel auf 100 km verdient sich der Selbstzünder das Prädikat sparsam. Für viel Fahrspaß sorgt die Lenkung, die sauber und präzise arbeitet. Dagegen haben die Genesis-Ingenieure beim Fahrwerk die Sportlichkeit etwas zu wörtlich genommen. Hier könnte der G70 nämlich geschmeidiger und weniger holprig abrollen, was nicht nur auf Autobahn-Querfugen den Komforteindruck schmälert.       

Technikcheck Genesis G70 2.2D Sport

Motor: 4-Zylinder-Turbodiesel, 2199 ccm, 200 PS

Antrieb: Hinterrad

Länge/Breite/Höhe: 4685/1850/1400 mm

Gewichte: leer 1773 kg; gesamt 2240 kg

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h: 7,4 sec.; Vmax: 230 km/h

Verbrauch: WLTP-Norm 6,4 l; wob-Test 7,32 l Liter Diesel/100 km (Tank 60 l)

Preis: 45.710 Euro      tgz

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