Biodiversität: Ein wenig Chaos ist gesund

Oft unterwegs im Wald und in der Natur: Preisträger Simon Thorn, hier bei einem Projekt zur Erforschung der Biodiversität von Käfern. Foto privat

Ordnung im Wald ist schlecht für die Biodiversität, sagt ein preisgekrönter Waldökologe der Uni Würzburg

Totholz spielt im Wald eine wichtige Rolle. Wie viel davon sollte liegen bleiben, um die Biodiversität zu fördern? Das hat Simon Thorn erforscht, dafür erhielt er nun einen Preis für Forstwissenschaft.

Auf der ganzen Welt leiden Wälder unter teils massiven Störungen: Hitze, Dürre, Windwürfe, Brände und Borkenkäfer setzen ihnen zu. Und weltweit wird darum gestritten, was man nach solchen Störungen am besten tun sollte: den Wald sauber aufräumen? Oder einen Teil des Totholzes liegen lassen, um die Artenvielfalt und damit das Ökosystem Wald zu stützen? Im und vom toten Holz leben nämlich viele Pilze und Tiere.

Mit diesem Fragenkomplex hat sich der Waldökologe Dr. Simon Thorn von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg in den vergangenen Jahren befasst. „Das Thema war ein zentraler Baustein meiner Habilitationsarbeit. Die Ergebnisse sind in mehreren Fachjournalen veröffentlicht“, sagt der 33-jährige Biologe.

Für sein Schaffen wurde er nun ausgezeichnet: Am 9. März 2021 erhielt er den „Thurn und Taxis Förderpreis für die Forstwissenschaft“. Der Preis ist mit 6.000 Euro dotiert. Er geht nach dem Willen des Stifters Johannes Fürst von Thurn und Taxis an hervorragende junge Forschende. Das Regensburger Fürstenhaus bewirtschaftet selbst mehrere Zehntausend Hektar Wald.

Faustregel für die Forstwissenschaft

Simon Thorn hat unter anderem eine Frage beantwortet, die er von Forstleuten aus der Praxis oft gehört hat: „Wie viel Totholz sollen wir nach einer Störung denn nun im Wald lassen?“

Die einfache Faustregel: Werden 75 Prozent eines betroffenen Waldgebietes nicht aufgeräumt, bleiben 90 Prozent des Artenreichtums erhalten. Werden 50 Prozent aufgeräumt, bleiben immerhin noch 75 Prozent der Arten erhalten.

„Ein gewisser Teil von gestörten Flächen sollte immer von Aufräumaktionen ausgeschlossen werden“, sagt Thorn. Denn das komplette Aufräumen im Wald sei nichts anderes als eine weitere Störung, die sich negativ auf die Biodiversität auswirke. Welche Organismengruppen am stärksten davon betroffen sind, beschreibt Thorn ebenfalls in seinen Publikationen.

Werdegang des Preisträgers

Mit dem Wald ist der JMU-Biologe von Kindheit an vertraut: Er ist in einem Forsthaus am Rand des Rothaargebirges in Hessen aufgewachsen. Nach dem Studium der Biologie in Gießen ging er an die Technische Universität München und promovierte dort. 2016 wechselte er zur Habilitation an das Biozentrum der JMU, genauer: an die Ökologische Außenstation im Steigerwald.

Als Waldökologe wurde Thorn schon mehrfach ausgezeichnet. Für seine Dissertation über Naturschutzaspekte der Borkenkäferbekämpfung erhielt er 2018 den Förderpreis der „Gregor Louisoder Umweltstiftung“. 2019 folgte der Hans-Löhrl-Preis der Deutschen Ornithologengesellschaft. Diesen bekam er für seine Forschungen über die Auswirkungen natürlicher Störungen mit und ohne nachfolgende forstwirtschaftliche Eingriffe auf Waldvogelgesellschaften.

Webseite von Simon Thorn: https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de/station/mitarbeiter/dr-simon-thorn/

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