Artenvielfalt: Workshop zum Thema im Kloster Oberzell

Insekten freuten sich, wenn das ganze Jahr über etwas blühe und dieses „bunte Angebot“ für ausreichende Futterversorgung mit Nektar und Pollen im Jahresverlauf sorge, sagte Dr. Lucia Jochner-Freitag (Mitte). Foto © Kloster Oberzell

Biodiversität: Um Artenvielfalt im Garten zu fördern, braucht es gar nicht viel

Die Artenvielfalt fördern – dazu kann jeder Einzelne beitragen. Wie das auch im eigenen Garten funktioniert, hat Dr. Lucia Jochner-Freitag aus Inzell bei einem Workshop zur Biodiversität auf dem Gelände des Klosters Oberzell gezeigt.

Die Landschaftsökologin und Schöpfungspädagogin referierte auf Einladung der Nachhaltigkeitsbeauftragten, Schwester Beate Krug. Jochner-Freitag ging auch auf spirituelle Aspekte ein, da es ihr ein besonderes Anliegen sei, Natur- und Geisteswissenschaften nicht getrennt, sondern die Beziehung zur Natur und zum Schöpfer im Gesamten zu sehen, heißt es in einer Pressemitteilung des Klosters.

Gastgeber für Insekten und Vögel

Die Referentin erklärte, der Mensch dürfe mit seinen Mitgeschöpfen wie Pflanzen und Tieren auf der Erde Gast sein. Gleichzeitig könne er aber auch in die Rolle des Gastgebers schlüpfen, indem er seinen Garten so gestalte, dass sich dort Insekten, Vögel und weitere Lebewesen wohlfühlen. Anschaulich wurden die drei Ebenen der Vielfalt vorgestellt: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt (Sorten) und die Vielfalt der Ökosysteme (Lebensräume), die alle in Wechselwirkung miteinander stehen.

In Deutschland sei aktuell rund die Hälfte aller Arten gefährdet, dies sei alarmierend. Die Hauptgründe lägen in der großflächigen Versiegelung der Böden, der Nivellierung der Standorte und dem Einsatz von Spritzmitteln. Bei einer Erkundungstour im Oberzeller Kräutergarten veranschaulichte Jochner-Freitag die natürliche Vielfalt und erklärte unter anderem den Nutzen von Lavendel, Johanniskraut, Nachtkerze, Schafgarbe oder Weide. Die Natur als Schatzkammer wiederzuentdecken, ist ihr ein Herzensanliegen.

Artenvielfalt: „Wir sind Natur und leben von und in ihr“

Am Beispiel einer Pflanze machte die Referentin den Eigenwert eines jeden Geschöpfes deutlich. Neben dem Nutzen dieser Pflanze für andere im Ökosystem – wie Nahrung für Schmetterlinge oder Sauerstoffgewinnung für die Menschen in Form der Photosynthese – sei diese Pflanze auch ein Mitgeschöpf, „in dem wir die Anwesenheit von etwas Göttlichen spüren können“. Jedes Blatt preise die Schönheit der Schöpfung, betonte Jochner-Freitag. „Wenn wir die Biodiversität fördern, tun wir auch uns etwas Gutes und wir achten die Schöpfung. Fest steht: Wir sind Natur und leben von und in ihr.“ So könne Gärtnern auch als eine Art Gebet erlebt werden, wenn der Mensch in der Natur diese Verbundenheit mit dem Göttlichen erlebe.

Abhängig von der Landschaft, in der sich der Garten befindet, können die Übergänge des Gartens durchlässig gestaltet werden. Die Verbindung von Nutz- und Wildnisbereichen machen den Garten insbesondere für Tiere attraktiver. Konkret heiße das, Totholz oder Herbstlaub einfach liegen lassen und so Lebensraum für Insekten oder Igel schaffen. Totholz sei auch für Bienen das perfekte Zuhause – eine natürliche Alternative zum Insekten-Hotel. Zusätzlich spare man sich Arbeit und kann die Zeit für das Genießen der Natur nutzen. Ein weiterer Tipp von Jochner-Freitag lautet, Stauden im Herbst nicht zu schneiden, da auch diese wertvollen Lebensraum für Insekten zum Überwintern bieten können.

Buntes Angebot bedeutet viel Futter

Insekten freuten sich, wenn das ganze Jahr über etwas blühe und dieses „bunte Angebot“ für ausreichende Futterversorgung mit Nektar und Pollen im Jahresverlauf sorge. So könne man darauf achten, früh-, mittel- und spätblühende Arten im Garten zu pflanzen. Was viele nicht wissen: Gefüllte Blüten haben oft keine Staubblätter und bieten damit keine Nahrung. Daher könne man auch hier darauf achten, dass im eigenen Garten möglichst viele Blumen mit ungefüllten Blüten wie Wildpflanzen und Kräuter blühen.

Ein weiteres Beispiel sind Thujabäume, die wenig ökologischen Nutzen haben, aber in vielen Gärten zu finden sind. Diese Verbreitung sei vor allem damit zu erklären, dass vor mehreren Generationen die Thuja als Statussymbol galt. Heimische Wildhecken wie Hasel, Hartriegel oder Eibe böten dagegen Nahrung und Lebensraum für Vögel und viele weitere Tiere.

Oft kämen Pflanzen von selbst, wenn man sie lasse und nicht gleich alles durchhake und mähe. Jochner-Freitag beobachte bei Neubauten den Trend, dass Rollrasen und Mähroboter immer beliebter würden. Sie lud dazu ein, auch mal ein Stück vom Rasen abzutrennen und nur zweimal im Jahr zu mähen und zu beobachten, wie sich die Biodiversität innerhalb von zwei bis drei Jahren dort ändere.

Mehr genießen und weniger arbeiten

Marianne Zander, Hauswirtschaftsleiterin im Kloster Oberzell, nahm sich nach dem Workshop vor, in Zukunft ihren Garten mehr zu genießen und sich weniger Arbeit zu machen, indem sie mehr liegen lässt wie Laubhaufen oder abgeschnittenes Holz – als Lebensraum für Tiere. Bianca Keller, Mitarbeiterin der Küche im Antoniushaus des Klosters, hat sich schon viele Jahre Erfahrung im Gärtnern. Sie wolle beispielsweise versuchen, eine Ecke ihres Gartens verwildern zu lassen. „Unkraut sehe ich nun mit anderen Augen!“ betonte sie. Auch einen Abschnitt ihres Rasens will sie in eine kleine Wildblumenwiese verwandeln. (POW)

Informationen zum Landkreis Würzburg als Ökomodellregion finden Sie hier

 

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