Nix zu futtern: Würzburger Stadttauben in Not

Bei den Stadttauben in Würzburg handelt es sich nicht um Wildtiere, sondern um Nachkommen von Zucht- und Brieftauben. Diese Taubengang sucht am Fuße ihrer Behausung im Ringpark nach Überresten der letzten Armenspeisung.

Interfraktioneller Eilantrag für ein Corona-angepasstes Taubenmanagement

Da Stadttauben wegen der Corona-Pandemie zurzeit kaum Futter finden, fordert die Grüne Fraktion in einem gemeinsamen Eilantrag mit anderen Stadtratsmitgliedern eine vermehrte artgerechte und fachkundige Fütterung. Die Stadtverwaltung sollte schnellstmöglich eine Ausnahmegenehmigung für noch festzulegende Futterplätze erteilen. Diese müsse solange gültig sein, wie es die Auswirkungen der andauernden Corona-Pandemie notwendig machen. Die Fütterung würde die Bürgerinitiative „Mensch und Taube“ (BI META) übernehmen, die sich mit einer dringlichen Anfrage an die GRÜNEN gewendet hatten.

Ein effektives Taubenmanagement sieht ausgewählte feste Fütterungsplätze für Stadttauben vor, meist in Form von Taubenschlägen. Die gezielte Fütterung ermöglicht es, einen Überblick über die Taubenpopulation zu behalten, denn die Tiere lassen sich relativ leicht an die festen Futterplätze binden. Positiver Nebeneffekt: Man unterbindet so das Betteln im Stadtraum.

In Würzburg gibt es aktuell jedoch nur wenige Standorte, an denen gezielt und regelmäßig gefüttert wird (Quellenbachparkhausschlag und Rathausschlag). Gebunden sind dort laut BI META schätzungsweise maximal 500 Tiere der insgesamt ca. 2000 Stadttauben. Das bedeute, dass der Großteil der Tiere derzeit nicht versorgt sei. Diese 1.500 Tauben verzehren im normalen Alltag Lebensmittelreste und betteln Passanten an, was weder gesund noch artgerecht sei, aber das Überleben sichere. „Während der Corona-Pandemie sind die Straßen oft menschenleer, es wird kaum etwas verzehrt und die Tauben finden kaum Futter. Etliche Tiere sind bereits stark unterernährt, erkrankt oder verhungert“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Fütterung nur durch fachkundige Personen

Tierschutzaspekte gebieten es, dass die Stadt dem Leid der Tiere entgegenwirkt, indem sie weitere Fütterungs-Standorte genehmigt, so die Antragsteller. Mit der sachkundigen Unterstützung der BI META könne jetzt begonnen werden, die Tiere dauerhaft an bestimmte Orte zu binden (z.B. Nähe Juliuspromenade, Nähe Sternplatz, Nähe Residenz), an denen mittelfristig weitere betreute Taubenschläge entstehen könnten. Stadträtin Silke Trost: „Diese gezielte Aktion im Sinne des Taubenmanagements soll nicht das Tauberfütterungsverbot aufweichen und auch kein allgemeiner Aufruf an die Bevölkerung sein, ab sofort die Tauben zu füttern! Die artgerechte Fütterung sollte ausschließlich durch fachkundige Personen an festen Orten stattfinden, denn nur dann können wir unser Ziel erreichen, eine kontrollierte, überschaubare und gesunde Population zu erhalten.“ Stadtrat Konstantin Mack weist darauf hin: „Etliche Städte haben diese Ausnahmegenehmigung bereits erlassen. Auch die bekannte Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz rät dringend dazu – zum Besten für Mensch und Tier.“

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