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Beruf und Bildung

Wie läuft der Distanzunterricht an den Schulen in Mainfranken?

Beruf Halbleib Distanzunterricht

Es bleibt dabei: Auch der beste Distanzunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Foto Pixabay

MdL Volkmar Halbleib lud Schüler, Eltern und Lehrer zum Gespräch – „Corona ist ein Stresstest für das bayerische Schulsystem!“

Auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Volkmar Halbleib fand ein Online-Fachgespräch zur aktuellen Situation an den mainfränkischen Schulen und den Folgen der Corona-Pandemie – Stichwort Distanzunterricht -für das Bildungswesen statt. Gemeinsam mit seiner Landtagskollegin und bildungspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion Simone Strohmayr diskutierte Halbleib zwei Stunden lang mit Vertreterinnen und Vertretern von Lehrergewerkschaften und Elternbeiräten sowie mit Schulleitern und Schülervertretungen. „Corona zeigt wie unter einem Brennglas, welche Probleme es an Bayerns Schulen gibt. Diese Krise ist ein bitteres Schicksal für unsere Gesellschaft und unsere Schulen, muss aber auch als Chance für die Zukunft genutzt werden“, so Halbleib zu Beginn der Veranstaltung.

Halbleib und Strohmayr wollten die Einschätzungen von Schulvertretern in Mainfranken für eine Sondersitzung des Bildungsausschusses aufnehmen. „Kultusminister Piazolo muss endlich Rede und Antwort stehen“, so Strohmayr, die selbst einmal Lehramt studiert hat und Mutter von schulpflichtigen Kindern ist. „So anstrengend wie dieses Jahr war es noch nie, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen“.

Benachteiligte Schüler werden abgehängt

Für den unterfränkischen Vorsitzenden der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Jörg Nellen steht fest: „Die ohnehin Benachteiligten werden in dieser Krise weiter benachteiligt. Das Kultusministerium muss jetzt klug den Stoff reduzieren und diesen können wir Lehrkräfte dann valide prüfen. Es braucht neue Aufgaben- und Prüfungsformate für selbstständiges Lernen“. Man müsse Corona als Chance nutzen, um endlich auch Grundsätze des bayerischen Schulsystems zu diskutieren. Strohmayr kann sich als Lösungsansätze vorstellen, alle Klassen, die dieses Jahr keinen Abschluss machen, nicht zu benoten oder aber das aktuelle Schuljahr auf zwei Schuljahre zu entzerren, ohne dafür eine Klasse wiederholen zu müssen.

Faschingsferien: Streichung „ein Unding“

Beim Ausfall der Faschingsferien werden Nellen und seine Kollegen Gerhard Bleß vom Unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverband und Peter Stegmann vom Philologenverband deutlich. Der Distanzunterricht sei für Schüler, Lehrer und Eltern extrem anstrengend: „Alle Beteiligten haben sich eine Pause verdient!“. Die Streichung der Ferienzeiten sei schlicht „fehlende Wertschätzung“.

Auch für Thomas Schulz (Schulleiter der Eichendorff-Schule in Gerbrunn) sind die gestrichenen Ferien ein „Unding“. Er mache sich vor allem aber Sorgen um die soziale Schere, die sich durch Corona weiter öffnen würde. „Wir brauchen eine Pause. Es reicht!“, bestätigen Sabrina Oertel und Thomas Ort (Vorsitzende des Gemeinsamen Elternbeirates Grund- und Mittelschulen Stadt Würzburg), „Wir machen uns Gedanken um unsere Kinder. Elf Wochen Unterricht am Stück, das geht so nicht“.

Der technische Support fehlt oft

Die lückenhafte Digitalisierung der Schulen macht vielen mainfränkischen Vertretern der Schulen große Sorgen. „Alleine Leihgeräte an Schüler und Dienstgeräte an Lehrer austeilen bringt nichts, wenn der technische Support fehlt“, beklagt Holger Seefried (Lehrer am Deutschhaus-Gymnasium). Schüler und Lehrer sind beim Einrichten der digitalen Endgeräte häufig auf sich alleine gestellt. „Man hätte sich viel früher Gedanken über der Systemadministration machen müssen“, so die Einschätzung Strohmayrs. Und Jürgen Kempf von der Landes-Eltern-Vereinigung ergänzt: „Wir haben schlicht keine flächendeckende Infrastruktur für Distanzunterricht. Es fehlt ordentliches Internet im ländlichen Raum“.

Gute Hygienekonzepte in den Schulen

„Der Digitalunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Die Qualität leidet“, berichtet der stellvertretende Bezirksschülersprecher Niklas König. Vor allem für viele jüngere Schüler sei es ein Problem, sich selbst den Stoff einzuteilen. „In den Schulen wurden gute Hygienekonzepte erarbeitet. Diese sollten wir möglichst schnell wieder nutzen“, so König. Auch für Strohmayr und Halbleib ist es ein wichtiges Ziel, so bald wie möglich wieder in den Präsenzunterricht zurückzukehren.

Ein Thema, das immer wieder angesprochen wird, ist die soziale Benachteiligung mancher Schüler, die sich durch den Distanzunterricht weiter zeige. „Wer ohnehin schon Probleme hatte, hat es jetzt noch schwerer“, weiß die Vorsitzende der WürzburgSPD Freya Altenhöner, die selbst als Sozialpädagogin in der Schulsozialarbeit beschäftigt ist. Es sei schwierig zu den Schülern Kontakt zu halten. „Die Probleme stauen sich während des Lockdowns an“.

„Wir müssen jetzt schnell handeln, um den Bildungserfolg nicht weiter zu gefährden“, fordert Halbleib. Er möchte weiter die Problemstellungen der mainfränkischen Schulen sammeln, um in München gemeinsam weiter Druck machen zu können.

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