Schlechte Nachrichten machen auf Dauer krank

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Würzburger Diplom-Psychologin Bärbel Theisen: Berichte der Medien führen oft zu Resignation und Wut

Krieg in der Ukraine. Klimakrise. Corona. Inflation und steigende Energie- und Lebenshaltungskosten. Diese Themen dominieren die aktuellen Nachrichten und damit auch die Gedankenwelt der Konsumenten. Sind die Aussichten wirklich so düster, wie es scheint? Liegt es an der negativen Berichterstattung oder an unserer Wahrnehmung?

Mittlerweile belegen mehrere wissenschaftliche Studien, dass der übermäßige Konsum von schlechten Nachrichten – vor allem in den sozialen Medien – nicht nur schlechte Laune verursacht, sondern auch krank macht.

An der Berliner Charité führte der Psychotherapeut Moritz Petzold und sein Team 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie eine Untersuchung durch: Unter 6.000 Teilnehmern zeigten vor allem diejenigen, die sich über Facebook, Instagram oder Twitter informierten, vermehrt Zeichen von Angststörungen und Depressionen. Um diese auszulösen, genügten bereits zwei Stunden Nachrichtenkonsum am Tag.

In den sozialen Medien erreichen die negativen Informationen den Konsumenten ungefiltert. Die Informationsflut ist nahezu unendlich, im Vergleich zu einer Zeitung, die man einfach beiseitelegen kann, oder zu einer Nachrichtensendung, die zeitlich begrenzt ist. Zusätzlich wird in den sozialen Medien häufig besonders emotional kommuniziert – und der Algorithmus lernt daraus, dem User künftig ähnlich geartete Inhalte auszuspielen.

„Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht“

Das bekannte Zitat des Journalisten William Randolph Hearst weist auf das Phänomen hin, dass negative Nachrichten sich besser verkaufen bzw. mehr Klicks generieren als positive.  Menschen neigen offenbar dazu, negative Nachrichten stärker wahrzunehmen („Negativitätsverzerrung“). Forscher streiten noch, ob dieses Phänomen evolutionär oder kulturell bedingt ist. Sicherlich war es in der Urzeit überlebenstechnisch von Vorteil, auf einer Wiese mit 100 harmlosen Huftieren und einem Säbelzahntiger den Tiger zuerst zu bemerken.

Allerdings bedarf es heute besserer Filtermechanismen, um der Nachrichtenflut Herr zu werden und nicht in eine Art Tunnelblick mit Fokus auf das Negative zu geraten. Weder so genanntes „Doomscrolling“, das exzessive Konsumieren schlechter Nachrichten im Internet, noch komplette Nachrichtenvermeidung sind aber dauerhaft zielführend.

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Negative Nachrichten: Wie geht man am besten damit um?

Die Würzburger Diplom-Psychologin Bärbel Theisen beobachtet, dass die Berichte der Medien meist problem-, aber nicht lösungsorientiert gestaltet sind. Bei den Konsumenten entsteht dadurch ein Gefühl der Hilflosigkeit, dass häufig zu Resignation, Depression oder Aggression führt.

„Alles durch eine rosa Brille zu betrachten ist natürlich auch falsch“, so Theisen. Dinge, die nicht in Ordnung sind, sollten auch angeschaut werden. „Wichtig ist es dabei, verschiedene Perspektiven einzunehmen und ein breiteres Spektrum aufzuziehen. Warum macht jemand etwas? Was sind die Motive dahinter? Und das ohne Absicht oder Bosheit zu unterstellen.“

Weiterhin sei es wichtig, Lösungsansätze für Probleme zu finden. Sollten diese noch nicht in Aussicht sein, helfe es Parallelen und ähnliche Situationen zu suchen, für die Lösungen gefunden wurden. Eine Änderung könne nur dann geschehen, wenn auch Hoffnung da ist – und diese gilt es in sich selbst zu erhalten oder wiederzufinden, so die ressourcenorientierte systemische Therapeutin.

Theisen selbst beschränkt ihren Nachrichtenkonsum auf zwei Mal täglich, morgens und abends. Menschen, die bereits in Resignation oder Depression verfallen sind, rät sie zu „Nachrichtendetox“ und Ablenkung mit dem Fokus auf Positives. „Die Energie geht dahin, wo die Aufmerksamkeit ist“, zitiert Theisen den amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten Milton H. Erickson.

Weiterführende Lesetipps

Roy F. Baumeister & John Tierney: Die Macht des Schlechten: Nicht mehr schwarzsehen und gut leben, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2020.

Maren Urner: Schluss mit dem täglichen Weltuntergang, Droemer Verlag, München 2019.

Ronja von Wurmb-Seibel: Wie wir die Welt sehen, Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen und wie wir uns davon befreien, Kösel Verlag, München 2022.

Von unserer Mitarbeiterin Nadine Waldmann

Surftipps für gute Nachrichten

perspective-daily.de

gute-nachrichten.com.de

goodnews.eu

nur-positive-nachrichten.de

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