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Stadt Würzburg

Parkplätze am Paradeplatz fallen weg

Parkplätze Paradeplatz

Oberflächen-Parkplätze direkt in der City sind in Würzburg offenbar ein Auflaufmodell – wie hier auf dem Paradeplatz.

CSU stimmte vergeblich für den Erhalt der Parkplätze am Würzburger Paradeplatz: „Viele auf Auto angewiesen“

In seiner Sitzung am 28. Januar hat sich der Würzburger Stadtrat mehrheitlich für den Wegfall von nahezu aller Parkplätze im Bereich Dom, Paradeplatz und Kardinal-Döpfner-Platz entschieden. Jetzt erarbeitet die Verwaltung Pläne zur Neugestaltung der Plätze.

Die CSU hat sich vehement für den Erhalt der Parkplätze eingesetzt. „Die Erreichbarkeit der Würzburger Innenstadt ist für viele mobilitätseingeschränkte Personen wichtig“, schreibt die CSU-Stadtratsfraktion in einer Pressemitteilung. „Beispielsweise für Arztbesuche, für Einkäufe oder für den Besuch von Gottesdiensten. Zahlreiche Arztpraxen sind in der Nähe des Paradeplatzes angesiedelt. Die dortigen Parkplätze machen den Zugang zu medizinischer Versorgung wesentlich einfacher.“

Viele Menschen seien auf ein Auto angewiesen, da der ÖPNV größtenteils noch nicht barrierefrei ist. „Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen erhalten nur sehr schwer einen Behindertenparkausweis und sind dennoch in der Bewältigung von längeren Gehstrecken eingeschränkt“, teilt Nadine Lexa, Pressesprecherin der Fraktion, mit. „Personengruppen, die auf Hilfsmittel wie beispielsweise elektrische Rollstühle etc. angewiesen benötigen entsprechenden Rangierraum. Dieser ist in einer Tiefgarage oftmals nicht vorhanden. Daher sind Oberflächenparkplätze für diesen Personenkreis wesentlich praktikabler.“ Zudem gebe es auch zahlreiche Menschen, die Tiefgaragenparkplätze aus Angst meiden. Für diese müssen auch zentrale Parkmöglichkeiten vorhanden sein.

„Wegfall von Parkplätzen ohne Rücksicht auf Verluste“

„Diese Argumente waren den Grünen, der ÖDP, ZfW und der Linken völlig egal. Sie wollen mit brachialer Gewalt den Wegfall von Parkplätzen ohne Rücksicht auf Verluste“, klagt der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Roth.

„Eine Aufwertung der Innenstadt durch ansprechende Aufenthalts- und Grünflachen ist sinnvoll und auch im Interesse der Bürgerinnen und Bürger, aber nur mit einem nachhaltigen Konzept. Zuerst muss der ÖPNV attraktiver und barrierefrei werden, dann benötigen wir Park & Ride-Angebote und nicht zuletzt ein zukunftsfähiges Parkleitsystem, das den Parksuchverkehr minimiert. Erst wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, können wir über eine Reduzierung von Parkplätzen diskutieren und nicht umgekehrt“, so Roth.

Neben den Antragstellern aus Grünen, Linken, ÖDP/WL und ZFW stimmten auch FWG, FDP und Bürgerforum für den Wegfall der Parkplätze.

Parkplätze Paradeplatz Kardinal-Döpfner-Platz
Auch die Parkplätze am Kardinal-Döpfner-Platz sollen wegfallen.

BUND: Paradeplatz „muss ‚Grüner Platz am Dom‘ werden“

Der BUND Naturschutz Würzburg (BN) dagegen begrüßt die Entscheidung des Stadtrats: Würzburg sei der Klimahotspot Bayerns. Gerade die Innenstadt leide in den Sommermonaten unter einer zunehmende Hitzebelastung; mehr Grün könne die Stadt entlasten. Der BN fordert daher, den Paradeplatz nach dem Vorbild des Kardinal Faulhaber Platzes zu begrünen. Spätestens nach dem erfolgreichen Bürgerbegehren zum Grünen Platz am Theater sei klar, dass die Würzburger mehr Lebensqualität in ihrer Stadt haben möchten, sagt Armin Amrehn, Vorsitzender des BUND Naturschutz Würzburg.

Seit 1920 habe sich die Temperatur in Franken um 1,7 Grad erhöht. In Würzburg liegen die Abweichungen laut BN im Vergleich zum Referenzzeitraum 1961 bis 1990 zum Teil schon bei bis zu + 5 Grad im Monat. „Eine Zunahme von Tropennächten (Tiefsttemperatur nicht unter 20 Grad) führt zu schlechterem Schlaf und fehlender Erholung für den menschlichen Körper“, warnt Steffen Jodl, Geschäftsführer bei der BN-Kreisgruppe Würzburg.

Ein Wegfall der Parkplätze am Paradeplatz ist aus Sicht des BUND Naturschutz bei knapp 7.800 Parkplätzen im Innenstadtbereich unproblematisch. Zudem sei die Innenstadt mit der Straßenbahn gut erreichbar. Von einer lebenswerten Stadt mit viel Grün, wenig Verkehr, gesunder Luft und einem verträglichen Klima profitierten alle – nicht zuletzt der Einzelhandel. „Würzburg macht Spaß – aber nur wenn das Klima stimmt“, so der BUND Naturschutz abschließend.

  1. J. Schmitt

    „Parkplätze am Paradeplatz fallen weg“ Da ist gar nix beschlossen.
    Schade, daß die CSU hier einen derart martialischen Tonfall an den Tag legt.
    Schade, daß hier die Bedürfnisse bewegungseingeschränkter Personen gegen z. Bsp. gesundheitliche Bedürfnisse der Bewohner ausgespielt werden. (Da könnte man auf Bundesebene mit dem Scheuer Andy ‚mal die StVO ändern … Sitzen ja in der gleichen Partei).

    Es gibt genug Möglichkeiten die in der „Klageschrift“ der CSU angesprochenen Sach-(!) Verhalte und deren Problematik anzugehen. Mir kommt da nur ein Satz in den Sinn: Dann mauert halt nicht!

    Wir werden aufgrund der sich der bereits ändernden klimatischen Verhältnisse um eine deutliche Umgestaltung in Richtung „grünerer City“ nicht herumkommen. Und um ein anderes Verständnis und Verhalten in Sachen Mobilität. Und das auch zu Gunsten der Personen, die zwingend auf einen PKW angewiesen sind. Im Gegensatz zu den „Lauffaulen“.

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