Gute Nachricht für Würzburgs Trinkwasser

Christof Amrehn und Robert Reitzle vor den ökologisch angebauten Flächen im Wasserschutzgebiet Zell.

Das„Ökologische Wasserschutzgebiet“rund um Würzburg wächst: Der Hettstadter Hof stellt auf ökologischen Landbau um und schützt damit das Trinkwasser

Mit der Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebsweise des Hettstadter Hofes auf ökologischen Landbau erfährt das Würzburger Trinkwasser eine äußerst erfreuliche Veränderung, denn über 50 Prozent des Trinkwassers für Würzburg kommt aus dem Wasserwerk Zell. Damit aber im Wasserwerk Zell im Mittel 200 Liter pro Sekunde Quellwasser genutzt werden kann, ist eine Einzugsgebietsfläche zur Grundwasserneubildung von etwa 6.400 Hektar erforderlich.

Um das Trinkwasser in besonders sensiblen Gebieten wie in Unterfranken, in denen häufig die schützenden Bodenschichten fehlen und zudem die Niederschläge gering sind, vor nachteiligen Einflüssen zu schützen, bedarf es kontinuierlicher Anstrengungen zur Sicherung der Qualität. Die Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH (TWV) hat deshalb bereits vor über 30 Jahren Flächen im Nahbereich der Wasserstollen in Zell, im Bereich der engeren Schutzzone, erworben und in ein „Ökologisches Wasserschutzgebiet“ umgewandelt.

Diese ehemals 60 Hektar ackerbaulich genutzten Flächen wurden auf Grundlage eines Konzeptes der Universität Gießen in ein artenreiches Grünland umgewandelt. Angrenzend und in direkter Nachbarschaft dazu befindet sich der Hettstadter Hof, mit dem ebenfalls seit 1988 Maßnahmen zum Grundwasserschutz, zum Beispiel die Flächenstilllegung, durchgeführt wurden.

Trinkwasser: Qualität langfristig sichern

Wuerzburg Trinkwasser
Der Hettstadter Hof mit Blick Richtung Würzburg Hafen.

Robert Reitzle, der den Hof mit ca. 300 Hektar in diesem Nahbereich der Zeller Quellen seit 33 Jahren konventionell bewirtschaftet, erklärte, dass er sich schon seit einigen Jahren mit möglichen Veränderungen der Betriebsweise auseinandergesetzt hat und nun in Abstimmung mit dem Freiherr Groß von Trockau den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb auf ökologischen Landbau umstellt.

Gerade der ökologische Landbau ist besonders in diesen Regionen geeignet, langfristig die Trinkwasserqualität zu sichern. Denn diese besonders ressourcenschonende und umweltverträgliche Form der Landwirtschaft orientiert sich leitend am Prinzip der Nachhaltigkeit. Durch den Verzicht auf mineralischen Stickstoffdünger und Pflanzenschutzmittel werden Oberflächengewässer sowie das Grundwasser geschützt. Im Vergleich zum konventionellen Landbau werden mit der ökologischen Bewirtschaftung weniger Nährstoffe, wie z. B. das Nitrat, im Boden ausgewaschen – gut für das Trinkwasser in Würzburg.

Die organische Düngung und der Anbau stickstofffixierender Eiweißpflanzen, den Leguminosen (darunter Ackerbohnen und Kleegras) fördern die Humusbildung und die Bodenfruchtbarkeit. Dieser Weg der Stickstoffbindung durch die Leguminosen ist einer der Grundbausteine des ökologischen Landbaus.

Der Boden verbessert sich durch die darin lebenden Bakterien und Organismen, die durch ihre Aktivität wiederum ein stabiles Bodengefüge hinterlassen. Mit dem Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten wird nahezu eine ganzjährige Bedeckung des Bodens erreicht. Die Gefahr der Nährstoffverlagerung ins Grundwasser sowie des Bodenabtrags durch Wind verringert sich erheblich.

Außerdem ermöglicht der ökologische Landbau durch den notwendigen, gezielten Fruchtfolgewechsel und den Zwischenfruchtanbau sowie dem vollkommenen Verzicht auf Pflanzenschutzmittel die biologische Vielfalt von Pflanzen und Tieren in unserer Agrarlandschaft. All diese Faktoren und Anforderungen des ökologischen Landbaus beinhalten regional ideale Voraussetzungen für einen wirkungsvollen Grundwasserschutz und leisten global ebenso einen Beitrag zum Klimaschutz.

Ökologischer Landbau als nachhaltige Verpflichtung

In der Verpflichtung, eine wirkungsvolle Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln, nimmt der ökologische Landbau eine Schlüsselfunktion ein. Die Bayerische Staatsregierung hat es zum Ziel erklärt, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Mit ca. 11 Prozent an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Bayern ist man derzeit von diesem Zielwert aber noch weit entfernt.

Tendenziell erfreuen sich Bioprodukte wachsender Beliebtheit. In Europa hat Deutschland mittlerweile den größten Absatzmarkt an Bioprodukten, jedoch wird ein Teil dieser Produkte importiert. Mit einer optimierten regionalen Produktion könnten diese Biolebensmittel auch hierzulande erzeugt werden. Denn die Erzeugung ökologischer Lebensmittel erfordert einen höheren Bewirtschaftungsaufwand und eine höhere Arbeitsintensität bei der Verarbeitung.

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