„Das Käppele kommt in neuem Glanz zurück“

Viele Gläubige feierten den letzten Gottesdienst im Käppele mit. Das Gotteshaus schließt wegen einer Innenrenovierung voraussichtlich bis Ende 2028. Foto Markus Hauck (POW)

Umfassende Innenrenovierung beginnt: Würzburger Käppele voraussichtlich bis Ende 2028 geschlossen

So voll besetzt ist selbst das Käppele nicht oft: Gläubige aus der gesamten Region haben am Sonntag, 20. September, gemeinsam mit Weihbischof Paul Reder in der Würzburger Wallfahrtskirche am Nikolausberg zum Wallfahrtstag „Maria Schmerz“ den letzten Gottesdienst gefeiert. Seit Montag, 21. September, hat das Gotteshaus für mehr als zwei Jahre seine Pforten geschlossen.

Grund ist eine umfassende Innenrenovierung, die voraussichtlich bis Ende 2028 andauern wird. „Das Käppele kommt in neuem Glanz zurück“, versprach Franziskaner-Minoriten Bruder Franz-Maria Endres.

In seiner Predigt zog der Weihbischof eine Parallele zwischen der anstehenden Restaurierung des Barockbaus und dem persönlichen Glaubensleben der Menschen. Das Käppele, das von 1747 bis 1750 nach den Plänen von Balthasar Neumann an die ältere Gnadenkapelle angebaut wurde, sei seit Jahrhunderten ein fester Anlaufpunkt für Menschen in Not, Trauer und Hoffnung.

Die anstehenden Restaurierungsarbeiten, bei denen Schmutz und Verunreinigungen entfernt werden, um die ursprüngliche Schönheit des Kirchenraums wiederherzustellen, nahm Weihbischof Reder zum Anlass für einen spirituellen Impuls: Auch im menschlichen Leben lagerten sich mit der Zeit Schichten an, die das überlagerten, was Gott ursprünglich gedacht habe. Eine „geistliche Innenrenovierung“ bedeute nicht, sich selbst neu zu erfinden, sondern das freizulegen, was das eigene Leben eigentlich trage. Das können nach den Worten von Reder Geduld, Vertrauen, Vergebung oder die Fähigkeit, zu beten sein. „Wenn dann der Tag kommt, dass die Gerüste im Käppele wieder abgebaut sind und die Farben, der Stuck und die Bilder wieder heller und klarer hervortreten, wird hoffentlich wieder vieles an ursprünglicher Schönheit sichtbar werden von dem, was die Restauratoren freigelegt und bewahrt haben.“

Für die Dauer der Arbeiten bleibt das Käppele unzugänglich. Das Gnadenbild der Gottesmutter findet während der Renovierungsphase eine vorübergehende Heimat in der Würzburger Pfarrkirche Sankt Burkard.

Würzburgs berühmte Wallfahrtskirche

Die barocke Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung und Schmerzhafte Muttergottes, wie das Käppele offiziell heißt, liegt oberhalb der Würzburger Altstadt. Die nach Plänen von Balthasar Neumann errichtete Kirche ist über einen terrassierten Stationsweg erreichbar. Eigentümerin ist die Katholische Kirchenstiftung Käppele.

Seit dem 20. September wird das Kirchengebäude umfassend im Inneren renoviert. Das aus der Gnadenkapelle und dem von Balthasar Neumann errichteten Zentralbau bestehende Ensemble soll bis Ende 2028 restauriert werden. Die Kosten werden mit rund 5,8 Millionen Euro veranschlagt. Während der etwa zweieinhalbjährigen Bauzeit bleibt die Kirche vollständig geschlossen.

Im Mittelpunkt der Arbeiten steht die Wiederherstellung der barocken Raumwirkung. Oberflächen, Deckengemälde und die Ausstattung werden gereinigt und konserviert. Dabei soll moderne Lasertechnik zum Einsatz kommen. Sie ermöglicht es, ältere Überzüge zu entfernen, die bei der Restaurierung im Jahr 1975 nicht beseitigt werden konnten.

Nach dem Aufbau der Innengerüste im Oktober sollen im November die eigentlichen, gewerkeübergreifenden Restaurierungsarbeiten starten. Neben der besonders behutsamen Reinigung und Konservierung der Raumschale, der Stuckmarmoroberflächen und der Altäre werden auch die komplette Elektro-, Heizungs- und Beleuchtungsanlage erneuert. Die Planung übernimmt das Architekturbüro ProDenkmal auf Grundlage eines digitalen 3D-Modells.

Finanziert wird das Projekt durch Zuschüsse der Diözese Würzburg, des Bundes, des Freistaats Bayern, der Stadt und des Landkreises Würzburg, des Bezirks Unterfranken sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Einen erheblichen Eigenanteil muss die Katholische Kirchenstiftung Käppele selbst tragen. Dafür ist sie unter anderem auf Spenden und Benefizaktionen angewiesen.

Gastronomie und Panoramaterrasse

Parallel zur Innenrenovierung sollen auch die Außenanlagen und das Konventgebäude neu gestaltet werden. Ein Teil des ehemaligen Empfangsanbaus soll weichen, um eine barrierefreie Erschließung zu ermöglichen und den terrassierten Klostergarten für die Öffentlichkeit zu öffnen. Im Konventgebäude sind künftig unter anderem eine Gastronomie, Seelsorge- und Verwaltungsräume sowie Pilgerunterkünfte vorgesehen. Eine Panoramaterrasse soll Besuchern einen Blick über Würzburg ermöglichen.

Auch die Wallfahrtsseelsorge wird neu organisiert. Der Dienst der Franziskaner-Minoriten endet Ende 2027. Zunächst soll die Seelsorge ab 2028 weitergeführt werden. Ab 2030 ist vorgesehen, dass drei Patres der „Missionare vom heiligen Johannes dem Täufer“ die Wallfahrtsseelsorge übernehmen.

Mit der Sanierung soll das historische Ensemble nicht nur restauriert, sondern auch für die Zukunft neu aufgestellt werden – mit einer erneuerten Kirche, barrierefreien Zugängen, öffentlich zugänglichen Außenbereichen und zusätzlichen Angeboten für Pilger und Besucher. (POW/red)

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