Heizen ohne Öl und Gas – Alternative Heizsysteme

Wer nach klimafreundlichen und kostengünstigen Heizsystemen sucht, sollte ihre Vor- und Nachteile kennen. Foto Bausparkasse Schwäbisch Hall

Alternative Heizsysteme: Das sind die Vor- und Nachteile     

Ab 2024 will die Bundesregierung nur noch Heizungen erlauben, die zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Wer dann noch eine Gasheizung einbaut, benötigt eine zweite Komponente. Außerdem will die Ampelkoalition mit ihrer „Wärmepumpen-Offensive“ diese Heizungsart zum Standard in Neubauten und zur Alternative in Altbauten machen. Doch ist die Wärmepumpe die Universallösung? Welche alternativen Heizsysteme Hausbesitzer zur Auswahl haben, erklärt Modernisierungsexperte Thomas Billmann.      

Mehr Unabhängigkeit von Gas, weniger fossile Energie: Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen im Gebäudesektor von aktuell 120 Mio. t auf 67 Mio. t sinken. Damit muss im Schnitt fast jeder zweite Wohneigentümer seine Immobilie bis zum Ende des Jahrzehnts CO2-neutral bekommen. „Für Immobilienbesitzer ist es wichtig, alternative Heizsysteme zu bewerten“, sagt Thomas Billmann von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. „Sie sind für Immobilienbesitzer der größte Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität.“      

Liebling der Politik: Heizen mit der Wärmepumpe      

Die Wärmepumpe funktioniert im Prinzip wie ein umgekehrter Kühlschrank. Je nach Modell wird Wärme aus Luft, Erde oder Grundwasser aufgenommen. Durch die Wärme verdampft ein Kühlmittel im Inneren der Pumpe und wird zu Gas, welches durch einen Kompressor verdichtet und erhitzt wird. Das heiße Gas wird verflüssigt und gibt die Energie an einen Wärmetauscher ab.

Der Vorteil: Wärmepumpen erzeugen kaum Emissionen. Wird die Wärmepumpe mit Ökostrom betrieben, geht die CO2-Bilanz gegen null. Nachteil: Die Anschaffungskosten sind vergleichsweise hoch. Je nach Wärmepumpenart liegen die Kosten zwischen 11.000 und 20.000 Euro plus mögliche Zusatzkosten.

Den Wechsel zur Wärmepumpe bezuschusst das BAFA mit bis zu 35 Prozent, bei Ausbau der alten Ölheizung sogar mit bis zu 45 Prozent der Anschaffungs- und Einbaukosten. Aber Achtung: „Bei schlecht gedämmten Gebäuden mit hohem Energiebedarf wird die Wärmepumpe teuer. In solchen Gebäuden kommt eine Wärmepumpe oft gar nicht oder erst im Anschluss an eine umfassende Wärmedämmung in Frage, da man bei großer Kälte mit Strom heizt. Besitzer müssen also ein zum Altbau passendes Gerät wählen“, so Billmann.

In Gebrauchtimmobilien gefragt: Heizen mit Biomasse     

Eigentümer von Biomasseanlagen heizen mit nachwachsenden, pflanzlichen (Roh-)Stoffen, meistens mit Pellets, seltener mit Scheitholz oder Hackschnitzeln. Biomasseanlagen arbeiten sauber, effizient und meist automatisch. Vor allem im unsanierten Altbau oder größeren Bestandsimmobilien ist das Heizen mit Biomasse eine Alternative zu anderen klimafreundlichen Heizungen, zudem kostengünstig: Holz als heimischer, nachwachsender Brennstoff unterliegt weniger großen Preisschwankungen als beispielsweise Rohöl und hat oft kürzere Transportwege.

Allerdings benötigen Holz und Pellets viel Lagerfläche. Die Anschaffungskosten betragen je nach Art und Modell rund 20.000 Euro. Auch den Einbau einer Holzpelletsheizung fördert das BAFA aktuell mit bis zu 35 Prozent bzw. bis zu 45 Prozent beim Austausch der alten Ölheizung.     

Klimaneutrale Unterstützung: Heizen mit der Kraft der Sonne      

Solarthermie ist die Alternative, wenn nur ein Teil des Energie- und Wärmebedarfs klimafreundlich und überdies autark abgedeckt werden soll. In den Sommermonaten funktioniert dies meist vollständig. Im Winter sind jedoch zusätzliche Energiequellen nötig.

Vorteile der Solarthermie sind niedrige Heizkosten bzw. Kosten für die Warmwasseraufbereitung sowie eine sehr gute CO2-Bilanz. Die Kosten sind abhängig von der Art der Kollektoren und der Haushaltsgröße und liegen inkl. Pufferspeicher bei rund 10.000 Euro für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung. „BAFA und KfW unterstützen auch in diesem Fall“, weiß Billmann. „Aber auch die Solarthermie sollten Eigentümer nicht im Alleingang planen, denn nicht alle Dächer eignen sich. Entscheidend sind unter anderem die Ausrichtung und die Größe des Dachs und ob sich in naher Umgebung hohe Gebäude oder Bäume befinden, die die Anlage verschatten können“, erläutert der Schwäbisch Hall-Experte.

Wie gut das eigene Dach für Fotovoltaik geeignet ist, um Sonnenenergie in elektrischen Strom umzuwandeln, können Eigentümer auf der Karte Solarpotenzial auf Dachflächen (www.energieatlas.bayern.de) nachschauen.

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