Berufsintegrationsklasse im Caritas-Don Bosco-Bildungszentrum: Bunter wird´s nicht

Von rechts: Nicole Pfeiffer, Katja Albert und Joanna Koppenhagen betreuen seit Jahren die BIK-Teilnehmenden im Caritas-Don Bosco-Bildungszentrum. Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie. Archivfoto Susanne Geiger

Auf Zack müssen sie sein, die Mitarbeiterinnen für die Berufsintegrationsklasse (BIK) im Würzburger Caritas-Don Bosco-Bildungszentrum. Das wird sofort klar, wenn man Nicole Pfeiffer und Katja Albert in Coronazeiten beim Distanzlernen mit ihren Teilnehmenden über die Schulter schaut. Komplettiert wird ihr Team von Joanna Koppenhagen, die den jungen geflüchteten Menschen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund einmal in der Woche Deutsch lehrt.

In den Räumlichkeiten neben der Don Bosco-Kirche findet ihre Förderung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer statt. Normalerweise. Während des Lockdowns wird das gemeinsame Lernen mit den Themenschwerpunkten „Arbeit und Beruf“ oder „Kultur und Leben“ über das Smartphone oder den Laptop organisiert. Das macht die Sache nicht gerade einfacher.

 Seit fünf Jahren gibt es im Würzburger Caritas-Don Bosco-Bildungszentrum – in Kooperation mit der Don Bosco-Berufsschule und dem Team um Klassenleiter Ben Schneider – die Berufsintegrationsklasse. Die Teilnehmenden profitieren von der Zusammenarbeit und der engen Vernetzung der schulischen und der sozialen Arbeit.

„So bunt, wie sie bunter nicht sein könnte“

„Unsere Klasse ist so bunt, wie sie bunter nicht sein könnte“, erklärt Nicole Pfeiffer. Zusammen mit ihrer Kollegin Katja Albert ist sie jeden Dienstag und Donnerstag Ansprechpartnerin für die BIK-Teilnehmenden.

„Wir begleiten unsere Klasse ein Stück auf ihrem Weg und fördern jeden Einzelnen individuell“, sind sich die Sozialpädagoginnen einig. Ihre Arbeit ist sehr herausfordernd, weil jeder Einzelne seine persönliche Geschichte, seinen Glauben und seinen Hintergrund mitbringt. Hinzu kommen die unterschiedlichen Sprachniveaus. Diese multikulturelle Vielfalt ist inspirierend, kann manchmal aber auch zur Geduldprobe werden. Oft sind Kreativität und Flexibilität gefragt.

Womit wieder das „auf Zack sein“ ins Spiel kommt. Während das digitale Lernen mit einigen Teilnehmenden bereits angelaufen ist, die ersten Aufgaben über die Videokonferenz besprochen werden, müssen andere Teilnehmende zeitgleich noch angerufen, zugeschaltet und eingewiesen werden.   

Nach einiger Zeit sind mit Ali, Alexandra, Faten, Fatuma, Ghaida, Habibo, Mahamadou, Nevin und Yousuf dann alle an Bord und üben gemeinsam den neuen Wortschatz. Die BIK-Teilnehmenden sind zwischen 16 und 27 Jahre alt und stammen aus Afghanistan, Mali, Somalia, Rumänien oder Syrien. Einige von ihnen haben eine Schulausbildung, andere nicht. Einige wohnen mit ihrer Familie in der eigenen Wohnung. Die meisten sind alleine hier ohne Angehörige leben und in Gemeinschaftsunterkünften, bei den Würzburger Erlöserschwestern oder in Wohngruppen. Grundverschieden ist nicht nur die Wohnsituation. Auch der Aufenthaltsstatus der jungen Leute ist häufig ungeklärt und sorgt für Unsicherheit.

„Alle Teil einer Gemeinschaft“

Was ist es, dass diese Gruppe zusammenhält? Für die Antwort müssen die BIK-Mitarbeiterinnen nicht lange überlegen: „Uns verbindet, dass wir alle Teil einer Gemeinschaft sind und uns gegenseitig unterstützen“, erklären Nicole Pfeiffer und Katja Albert. „Wir lachen viel und haben selbst beim Distanzlernen eine gute Zeit miteinander.“

Tagesstruktur geben, den Einzelnen individuell fördern und gemeinsam eine gute Zeit haben sei das Ziel, das man jeden Dienstag und Donnerstag – und bei Bedarf darüber hinaus – hat. So kommt man spielerisch und Stück für Stück dem eigentlichen Ziel näher: Der Vermittlung von berufsbezogenem Wissen, dem Ermöglichen von beruflichen Praktika und der beruflichen und sozialen Integration der BIK-Teilnehmenden.

Die Lerneinheiten klappen inzwischen auch während der erschwerten Bedingungen des Lockdowns sehr gut. Erfolgserlebnisse haben Nicole Pfeiffer und Katja Albert auch bei kleinen Dingen: „Wenn ein Teilnehmer aufgrund von Sprachproblemen kaum etwas versteht, aber jedes Mal zuverlässig und mit Eifer dabei ist, dann ist das für uns eine tolle Bestätigung.“

Kulturelle Unterschiede „bereichernd“

Genauso schön sei es, wenn die Teilnehmenden feststellen, dass ihre kulturellen Unterschiede nicht hinderlich, sondern bereichernd sind. Das habe man zuletzt bei der Teilnahme an einem Projekt von Don Bosco Youth gemerkt. Das Thema „Hoffnung bewegt“ wurde in kurzer Zeit trotz der kulturellen Unterscheide in Text und Bild erarbeitet. Alle waren sich einig: Egal, wo auf der Welt die eigene Familie gerade ist, sind die Sterne am Himmel von überall zu sehen, schenken Licht und verbinden.

 „Wir erleben jede Woche viel Verbindendes und viel Dankbarkeit“, machen die Caritas-Don Bosco-Mitarbeiterinnen klar.. Auch nach fünf Jahren freuen sie sich immer noch vorwiegend auf zwei Tage in der Woche: Dienstag und Donnerstag – die Zeit mit ihren BIK-Teilnehmenden.

Faktencheck: Die Berufsintegrationsklasse (BIK) im Caritas-Don Bosco-Bildungszentrum

  • Die BIK ist eine Kooperation zwischen der Don Bosco-Berufsschule und dem Caritas Don-Bosco-Bildungszentrum.
  • Die BIK-Kooperation ist eine Initiative des Bayerischen Kultusministeriums und besteht seit 2015.
  • Caritas Don-Bosco Bildungszentrum und Don Bosco-Berufsschule haben beide ihren Sitz am Schottenanger. Sie sind aber eigene Einrichtungen mit teilweise unterschiedlichen Schwerpunkten.
  • Während die Berufsschule die schulische Bildung der Teilnehmenden übernimmt, sorgen die Mitarbeitenden des Bildungszentrums vorrangig für die sozialpädagogische und berufsbezogene Unterstützung der Teilnehmenden.
  • BIK-Arbeitsschwerpunkte sind das Erheben einer Potentialanalyse, die Vermittlung berufsbezogener Inhalte und das Ermöglichen von praktischen Erfahrungen.
  • Gemeinsames Ziel ist die soziale und berufliche Integration.

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