Baufirmen in Würzburg gehen die Azubis aus

Azubis auf Baustellen könnten auch in Würzburg bald zu einer Rarität werden, warnt die IG BAU – wenn sich die Arbeitsbedingungen in der Branche nicht verbessern. Foto IG BAU

65 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt

Bauboom trifft auf Nachwuchs-Mangel: Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind viele Baufirmen in Würzburg vergeblich auf der Suche nach Azubis. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur hin. Danach blieben im Juli 65 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt. Von 31 ausgeschriebenen Plätzen in der Stadt waren noch 20 zu vergeben. Bereits im vergangenen Jahr waren zum selben Zeitpunkt 40 Prozent aller Ausbildungsplätze im Bauhauptgewerbe unbesetzt.

Fundament der Branche gerät ins Wanken

Michael Groha von der IG BAU Mainfranken spricht von einem „Alarmsignal“. Wenn es den Firmen nicht gelinge, Schulabgänger für die dringend gebrauchte Arbeit als Maurer, Straßenbauer oder Baugeräteführer zu finden, dann gerate das Fundament der ganzen Branche ins Wanken. „Aber nur wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchs-Problem lösen“, ist der Gewerkschafter überzeugt.

Mehr Geld für Azubis gefordert

In der laufenden Tarifrunde fordert die IG BAU deshalb ein monatliches Einkommensplus von 100 Euro für alle Azubis. Außerdem soll die lange, meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden, um die Arbeit attraktiv zu halten – auch gegenüber anderen Branchen, in denen weit weniger gependelt wird.

„Wer sich bei der Berufswahl für den Bau entscheidet, der muss auch Familie, Freizeit und Arbeit unter einen Hut bringen können. Aber das klappt für die meisten Berufseinsteiger nur sehr selten“, so Groha. Diese Unzufriedenheit spiegele sich auch in einer hohen Abbrecherquote bei den Azubis wider, worunter auf Baufirmen in Würzburg leiden. Laut aktuellem Ausbildungs- und Fachkräftereport der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU) bringt jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu Ende.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

X