Ausstellung „Narren und „Shitstorm“ in der Behr-Halle

Gerda Enk und Thomas Reuter bauen die Ausstellung „Narren und "Shitstorm“ in der Behr-Halle des Rathauses auf. Foto Claudia Lother

Guckkastenbühne von Gerda Enk und Thomas Reuter

Die Behr-Halle im Rathaus ist bis zum 21. November eine „Guckkastenbühne“ im Stil von Dario Fo. Die Malerin und Grafikerin Gerda Enk und der Bildhauer Thomas Reuter haben sich zusammengeschlossen, um auf intelligente und unterhaltsame Weise eine Ausstellung unter dem Titel „Narren und „Shitstorm“ zu präsentieren.

 „Wir haben Dario Fo als Vordenker für uns neu entdeckt“, sagen die beiden Künstler. Der italienische Theaterautor, Regisseur, Bühnenbildner, Komponist, Erzähler und Satiriker (1926-2016) erhielt 1997 den Literaturnobelpreis. „Dario Fo steht in der Nachfolge mittelalterlicher Gaukler. Er geißelt die Machtlosigkeit und richtet die Würde der Schwachen wieder auf“, begründete die Stockholmer Jury ihre Entscheidung. Die Stücke des Satirikers wurden in mehr als 30 Sprachen übertragen und in 60 Ländern aufgeführt.

Erinnerung an die „Ein-Mann-Revolution“

Dario Fo wird auch als „italienischer Politclown“ bezeichnet. Der „Spiegel“ schrieb 2016: „Dario Fo hat den Kulturbetrieb gespalten, die Politik verspottet, die Mafia verärgert – der singende, springende, spielende Literaturnobelpreisträger war eine permanente Ein-Mann-Revolution.“

Die Verleihung des Literaturnobelpreises traf nicht auf reine Zustimmung. Mehrfach wurde Fo auf offener Bühne verhaftet, im italienischen Fernsehen hatte er jahrelang Auftrittsverbot. Lieblingsobjekt seiner kritischen Auseinandersetzung in den 2000ern war Silvio Berlusconi. „Grotesk“ sei nicht das Theater, sondern die Politik, meinte Dario Fo.

Ein Shitstorm aus Ton

Enk und Reuter führen in satirischer Fo-Tradition Erscheinungen der aktuellen Gesellschaft vor. Bei „Narren und Shitstorm“ wird das englische Wort „Shitstorm“ ins Bildnerische übertragen. Ein Shitstorm aus Ton ist auf dem Boden des Vorraums der Behr-Halle ausgebreitet, kläffende Hunde tauchen aus der Dunkelheit auf. Darüber schweben im Innenhof die Narren. „Sie lachen über die schmutzige Schlammschlacht und amüsieren sich“, erklärten Enk und Reuter auf dem Flyer zu ihrer Ausstellung. „Jedem Shitstorm liegt irrationaler Hass zugrunde. Er zeigt keine Lösungen, kennt weder Witz noch Größe, weder Menschlichkeit noch Achtung.“

Die Künstler fragen sich: „Lässt sich Shitstorm in konstruktive Kritik verwandeln?“ In ihrer Installation wachsen bunte Kabel aus der Erdanhäufung zu den Narren, die über dem Hass stehen. Laut Enk und Reuter ist der Narr in unserer Zeit von Verschwörungen, Halbwissen, Verleumdungen, Hass und Shitstorms der Lehrmeister, der Distanz, Ironie und Selbstironie lehrt.

Zu sehen in der Behr-Halle des Rathauses vom 9. bis 21. November und anschließend in der Augustinerkirche vom 17. Januar bis 20. Februar 2022. Die Ausstellung „Narren und „Shitstorm“ wird über die städtische Kulturförderung gefördert.

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