Podium, Protest und Kommunikationsprobleme

Foto Bistum Würzburg/POW

Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg

Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg bei einem Podium zum Thema „Gemeinsam Zukunft gestalten“ mit jungen Leuten diskutiert, bevor er auf der Kirchenmeile das Gespräch mit engagierten Menschen suchte. Zum Abschluss schaute er in der Zentrale für die Helferinnen und Helfer bei den Erlöserschwestern vorbei. Vor Beginn des Podiums kam es zu Protesten vor dem Congress Centrum, und auch in der Diskussion gab es Zwischenrufe, Plakate und Trillerpfeifen.

Klimaschutz, die Situation der USA, die Wirtschaftslage, Rechtsruck, KI und Social-Media-Verbot: Beim Podium „Gemeinsam Zukunft gestalten“ im Congress Centrum wird eine große Themenpalette diskutiert. Mit Merz auf dem Podium sitzen Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, und Lisa Quarch, Geistliche Leiterin des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

Was sie dem Bundeskanzler empfehlen würde, um der jungen Generation Zukunftsängste zu nehmen, will Moderator Professor Manuel Hartung von Kirchhoff wissen. „Ich glaube, dass man Jugendliche sehr, sehr gut über soziale Medien erreichen kann. Und ich glaube, dass das ein Weg ist, der sehr viel stärker genutzt werden muss“, antwortet diese. Insbesondere eine Partei sei dort sehr groß vertreten. „Ich glaube, dass man sich diesen Raum auch als demokratischen Raum zurückholen muss, weil man auch genau da Kinder und Jugendliche erreicht.“

„Demokratische Bildung“ auf TikTok

Merz kann die Argumentation verstehen, äußert jedoch Bedenken. „KI-gesteuerte Fake-News-Filme“ etwa seien auf den ersten Blick gar nicht als Fälschungen erkennbar. Quarch macht einen Vorschlag, wie man den demokratischen Raum in den sozialen Medien zurückgewinnen könnte. Sie würde selbst viel „religiöse und demokratische Bildung“ auf TikTok machen und erlebe dabei, „dass es was bringt. Gerade auf TikTok sind so viele junge Menschen, die in einem engen Weltbild gefangen sind, und gute Aufklärungsarbeit führt dazu, dass sich Menschen daraus befreien können.“

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Demonstration vor dem Congress Centrum. Foto Bistum Würzburg/POW

Einige Jugendliche und junge Erwachsene dürfen dem Bundeskanzler Fragen stellen. Johanna Chwalczyk (17), Oberministrantin in Lengfurt im Landkreis Main-Spessart, will wissen, wie er zur Herabsetzung des Wahlalters steht. „Was qualifiziert denn jemanden in Baden-Württemberg ab 16 Jahren zu wählen, und in Bayern erst ab 18? Sind wir in Bayern weniger gebildet?“

Im Bezug auf die Bundestagswahl hat Merz eine eindeutige Meinung: „Ich würde es für den Deutschen Bundestag gerne dabei belassen, dass wir das aktive und das passive Wahlrecht bei 18 Jahren lassen.“ Er begründet das mit der hohen Verantwortung. Er habe noch keine Gegenargumente gefunden, die ihn wirklich überzeugt hätten. Zufrieden ist Chwalczyk mit dieser Antwort nicht. Merz habe gesagt, dass er es gut fände, dass bei Landtags- und Kommunalwahlen das Alter gesenkt werde. „Warum sind denn Landtagswahlen mit weniger Verantwortung verknüpft?“

„Menschen die weit verbreitete Zukunftsangst nehmen“

Susanne Ackva (21) hätte den Kanzler gerne gefragt, welche konkreten Vorschläge er habe, um jungen Menschen eine Perspektive in der demokratischen Mitte zu geben. Ackva kommt aus Würzburg, studiert Lehramt in Leipzig und ist im Eine-Welt-Team der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) aktiv. Durch ihr Studium habe sie viel Kontakt zu Schülerinnen und Schülern und dabei die Erfahrung gemacht, dass viele „rechts“ seien. Ackva kam jedoch nicht an die Reihe.

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Foto Bistum Würzburg/POW

Merz erklärt in der Diskussion auch, dass er mehr Optimismus verbreiten wolle. Er sei überzeugt, dass es wenige Länder auf der Welt gebe, die so großartige Chancen böten wie Deutschland, auch für junge Menschen. „Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas. Meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu“, sagt er. Er würde seinen Kindern heute nicht empfehlen, dort ausgebildet zu werden. „Heute haben die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden.“

Zu seiner Kommunikation zeigt sich der Kanzler nachdenklich: „Woran liegt es, dass es mir offensichtlich nicht gelingt, die Menschen im Lande hinreichend zu erreichen? Auch zu überzeugen, dass der Weg, den wir versuchen, in der Regierung einzuschlagen, den ich versuche einzuschlagen, der Richtige ist?“ Er wisse, dass er in seiner Kommunikation etwas verbessern müsse, damit diese Botschaft besser verstanden werde. Der erste Schritt sei, den Menschen die weit verbreitete Zukunftsangst zu nehmen. (POW)

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