Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages

Gesundheit & Fitness

Rückzug in die Sucht

Die Caritas Suchtberatung bietet aktuell Telefonberatungen, Kontakte per E-Mail sowie Onlineberatung an. Foto Esther Schießer

Für Menschen mit einer Suchtproblematik bedeutet die Corona-Krise eine besondere Herausforderung.

Martin*, 46 Jahre, meldet sich telefonisch in der Caritas Suchtberatungsstelle in Würzburg, Röntgenring 3. Er habe vor einigen Tagen einen Rückfall erlitten. Seine Firma habe ihn aufgrund der Corona-Krise in Kurzarbeit geschickt, seitdem hat er große finanzielle Sorgen. Auch die Angst um die Gesundheit seiner Eltern bedrücke ihn stark.

Die Ungewissheit darüber, wie es weiter geht, sowie die Isolation aufgrund der Kontaktbeschränkungen fressen ihn innerlich auf. Er sei unruhig, stehe unter Anspannung, die Tage erscheinen ihm unglaublich lang und so habe er wie früher Trost durch Alkohol gesucht. Er sei erleichtert, nun endlich den ersten Schritt unternommen zu haben und mit jemanden zu sprechen, sein Herz auszuschütten. Gemeinsam mit der Suchttherapeutin kann er über einige Gespräche hinweg Verständnis für seine Situation und neue Lösungsstrategien erarbeiten und so wieder zu einer zufriedenstellenden Abstinenz zurückfinden.

Martins anonymisierter Fall ist ein stellvertretendes Beispiel aus dem derzeitigen Arbeitsalltag: Die Corona-Pandemie bringt uns weltweit in einen in dieser Form nie da gewesenen Ausnahmezustand. Für Menschen mit einer Suchtproblematik birgt sie zusätzliche Schwierigkeiten. Bislang haltgebende Routinen und Strukturen des Alltags entfallen.

Wenn gewohnte Strategien nicht mehr helfen

Gerade in solch einer belastenden Situation brauchen viele Menschen bewährte Anker. Es ist für Betroffene aktuell besonders herausfordernd, Entlastung zu finden, ohne auf das „bewährte“ Suchtverhalten zurück zu greifen, berichtet Petra Müller vom Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg e. V.: „Teilweise haben Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen noch ein eher eingeschränktes Verhaltensrepertoire für einen alternativen Umgang mit Belastungen. Rückfälle sind dann ein Mittel, um unangenehme oder negative Gefühle zu kompensieren.“

Für Menschen mit stoffgebundenen Abhängigkeiten (wie Alkohol, Medikamente) oder mit Verhaltenssüchten (wie Spielsucht, Essstörungen, pathologischer Medienkonsum) brechen in der aktuellen Situation altbewährte Alternativstrategien (z.B. Treffen von Freunden, Besuch eines Fitnessstudios) weg. „In der Beratung und Therapie arbeiten wir auf zwei Wegen“, sagt Müller. „Ein Schritt ist es, herauszufinden, welche Funktion die Suchtproblematik für den Betroffenen hat, auf welchen Hintergründen und Ursachen sie fußt. Der andere Schritt ist es, Strategien zu entwickeln, um mit dem Suchtverlangen umzugehen und alte Verhaltensmuster aufzulösen: Was mache ich, anstatt zu trinken, zu spielen oder zu hungern?

Dies geschehe beispielsweise durch Achtsamkeitsübungen, Bewegung, interessante alternative Tätigkeiten oder die Erarbeitung neuer Verhaltens- und Denkmuster.

Auch viele Angehörige erleben die Lage als belastend. Sie befürchten einen Rückfall. Ist dieser bereits eingetreten, wissen sie nicht, wie sie sich und dem/der Betroffenen helfen können. Zudem erhöhen die Ausgangsbeschränkungen noch den Druck diese belastende Situation mit sich alleine verarbeiten zu müssen.

„Wir engagieren uns für Sie!“

„Ein weiteres Problem für viele unserer Hilfesuchenden ist der Erlass von einigen Ministerien, Kapazitäten in den psychiatrischen Kliniken angesichts der Corona-Pandemie zu schaffen, sodass Entzugsbehandlungen für Abhängigkeitserkrankte in psychiatrischen Kliniken und Krankenhäusern eingestellt oder zumindest sehr reduziert wurden“, so Müller weiter. Damit bestehe die große Gefahr einer Chronifizierung der Abhängigkeitserkrankung auf der physischen, psychischen und sozialen Ebene.

„In unserer Beratungsstelle versuchen wir unter Wahrung nötiger Auflagen den Versorgungsauftrag für suchtkranke Menschen und deren Angehörige aufrechtzuerhalten. Wir bieten Telefonberatungen (0931-38659180), Kontakte per E-Mail (sucht@caritas-wuerzburg.org), Einzel- und Gruppenberatung per Videochat, Onlineberatung und im Notfall auch persönliche Beratung an. Aktuelle Informationen sowie den Link zur Onlineberatung finden Sie auf unserer Homepage www.suchtberatung-wuerzburg.de. Wir engagieren uns für Sie!“

* Name geändert. Text: Petra Müller

Psychosoziale Beratungsstelle für Suchtprobleme

  • Fachstelle der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern
  • Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Würzburg e.V.
  • Röntgenring 3, 97070 Würzburg
  • Tel. 0931 38659-180
  • sucht@caritas-wuerzburg.org

Schreibe eine Antwort

X