Booster-Boom: Schlange stehen für den Corona-Piks?

Impfwillige stehen vor dem Eingang eines Impfzentrums. Foto Peter Kneffel/dpa

KKH-Ärztin Dr. Hermeneit klärt über die individuellen Empfehlungen zur Corona-Booster-Impfung auf

Ob beim Hausarzt, über ein mobiles Impfteam oder im Impfbus: Aktuell ist die Nachfrage in der Bevölkerung nach einer Auffrischungsimpfung (Booster) gegen das Corona-Virus groß. Je nach Region bilden sich vor Arztpraxen und wiedereröffneten Impfzentren Menschentrauben, um die begehrte Drittimpfung zu erhalten. Aber auch Erst- und Zweitimpfungen sind angesichts der steigenden Inzidenzen und verschärften 2G-Regelungen vielerorts stark gefragt. Dr. Sonja Hermeneit, Ärztin bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer sollte sich aktuell für den Corona-Piks in die Schlange stellen?

„Bei den momentanen Corona-Zahlen sollte sich eigentlich niemand in große Menschenmassen begeben – auch nicht für eine Impfung. Wenn aber eine gewisse Wartezeit nicht zu vermeiden ist, sollte zumindest darauf geachtet werden, Abstand zu halten und Maske zu tragen.“

Welche Personen sollten über die aktuellen Impfangebote nachdenken?

„Alle Menschen, bei denen keine medizinischen Gründe gegen eine Impfung sprechen, und die noch nicht gegen das Corona-Virus geimpft sind. Aber auch alle über 18 Jahre, bei denen die letzte Impfdosis mehr als fünf bis sechs Monate her ist. Die Empfehlung für die Booster-Impfung gilt insbesondere für über 70-Jährige, bei Vorerkrankungen oder Menschen in Pflegeeinrichtungen und Medizinberufen. Jede Impfung zählt! Denn sie kann vor schweren Krankheitsverläufen schützen und macht es dem Virus schwerer, sich auszubreiten.“

Was ist, wenn meine Grundimmunisierung noch nicht sechs Monate zurückliegt?

„Sowohl aus medizinischen als auch aus Kapazitätsgründen wurde diese Empfehlung der STIKO ausgesprochen. Ob eine Verkürzung im Einzelfall sinnvoll ist, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, denn hier spielen individuelle Faktoren eine Rolle. Wer aktuell noch nicht dran ist und noch warten kann, macht sich am besten eine Erinnerung in seinem Terminkalender, um die Auffrischungsimpfung nicht zu verpassen.“

Wenn ich die einmalige Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten habe – was wird da empfohlen?

„Ab vier Wochen nach der Janssen-Impfung wird eine Impfung mit mRNA-Impfstoffen empfohlen, also Biontech oder Moderna. Davon ausgenommen sind Personen, die zwischenzeitlich eine labordiagnostisch gesicherte COVID-Erkrankung durchgemacht haben. In diesem Fall gilt dann wieder die Frist von sechs Monaten bis zu erneuten Impfungen.“

Corona-Booster
Dr. Sonja Hermeneit.

Unterscheidet sich die Corona-Booster-Impfung eigentlich von der Grundimmunisierung?

„Bei der Grundimmunisierung waren je nach Impfstoff zwei Dosen in bestimmtem Abstand erforderlich. Die Booster-Impfung des Herstellers Biontech ist eine einmalige Impfung. Bei Moderna wird sie zudem nur mit der halben Dosis durchgeführt. Es spielt außerdem keine Rolle, welche Impfstoffe man vorher bei der Grundimmunisierung bekommen hat. Beide Wirkstoffe sind gut zum Boostern, und es muss nicht der Impfstoff verwendet werden, den man vorher bekommen hat. Lediglich bei Personen unter 30 Jahren und bei Schwangeren jeden Alters wird eine Impfung ausschließlich mit dem Impfstoff von Biontech empfohlen.“

Ist es sinnvoll, vor einer Booster-Impfung einen Antikörpertest zu machen? 

„Hierzu gibt es derzeit noch keinen Expertenkonsens. Wer einen Test machen möchte, sollte darauf achten, um welche Art von Antikörpertest es sich handelt. Einige Antikörpertests liefern nur das Ergebnis, ob Antikörper vorhanden sind oder nicht. Zwischenzeitlich gibt es deshalb auch Tests, die den Antikörper-Spiegel messen – also messen, wie viele Antikörper im Blut vorhanden sind. Bislang ist aber noch unklar, ab welchem Antikörperspiegel man vor einem schweren Verlauf geschützt ist oder ob man diese Aussage überhaupt alleine aufgrund des Antikörperspiegels treffen kann. Zudem kann ein Antiköpertest keine Aussage darüber machen, wie lange ein hoher Antikörperspiegel voraussichtlich auch hoch bleibt.“

Wenn eine COVID-Erkrankung gesichert durchgemacht wurde – wie ist das dann mit Impfung und Booster-Impfung?

„Wer an Corona erkrankt war und einen symptomatischen Verlauf hatte, sollte sich frühestens nach sechs Monaten impfen lassen, bei einem asymptomatischem Verlauf eventuell schon früher. Dies sollte individuell mit dem behandelnden oder impfenden Arzt besprochen werden. Wenn eine Grundimmunisierung erfolgt ist, gelten die gleichen Empfehlungen für eine Booster-Impfung.

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