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„Würzburg hat (fast) alles, was es braucht“

Oberbürgermeister Martin Heilig (2.v.r.), 2. Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová (r.) und 3. Bürgermeisterin Judith Roth-Jörg (l.) begrüßten die Gäste des Neujahrsempfangs der Stadt Würzburg. Festredner war Prof. Dominik Enste (2.v.l.). Foto Claudia Lother

Glücksforscher Prof. Enste beim Neujahrsempfang: „Würzburg hat (fast) alles, was es für eine hohe Lebenszufriedenheit braucht“

„Glück ist keine Eigenschaft, sondern eine Tätigkeit“, zitierte Oberbürgermeister Martin Heilig in seiner Rede zum Neujahrsempfang Aristoteles und brachte die über 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Glaubensgemeinschaften, Vereine und Organisationen und viele an der Stadtpolitik interessierte Bürgerinnen und Bürger so schon auf den Fokus Zufriedenheit.

Diese Perspektive nahm später auch der Gastredner Prof. Dr. Dominik Enste ein, schließlich werden Verhaltensökonomen auch häufiger als Glücksforscher bezeichnet und ihre Arbeit kann auch ein guter Gradmesser für Kommunalpolitik sein.

In seiner ersten Neujahrsbilanz seit dem Amtsantritt im Juli 2025 brachte Heilig sein Verständnis von politischer Arbeit zum Ausdruck: „Glück ist etwas, das man macht. Durch Arbeit, Entscheidungen und Aktivitäten.“ Solche „Glücksquellen“ verortete er in allen sieben Referaten. Zugleich betonte er, dass Zukunftsgestaltung nicht allein aus der Verwaltung heraus entsteht. Er verwies auf den Rückhalt aus der Stadtgesellschaft sowie auf das außergewöhnliche, oftmals ehrenamtliche, gesellschaftliche Engagement in der Stadt, welches er exemplarisch mit rund 50.000 Aktiven in Sportvereinen und etwa 1.000 Übungsleiterinnen und -leitern belegte.

Stadt will weiter investieren

„Glück braucht Orte“, so Heilig. Diese könne man aktiv gestalten wie im letzten Jahr den neuen Sternplatz, in Kürze den Marktplatz durch neue Schattenspender, eine Aufwertung des Kupsch-Ackers in Grombühl oder auch der Umgestaltung der ehemaligen Postfiliale am Zellerauer Marktplätzle hin zu einer Begegnungsstätte.

Am Hubland wird weiterhin im großen Umfang investiert: in eine Dreifachturnhalle und eine zweizügige Grundschule. Zudem entstanden auch Orte wie das neue Lesecafé oder das Childhood-Haus, oder der schon zehnte städtische Familienstützpunkt am Standort Rottenbauer, die zentrale soziale Aufgaben wahrnehmen.

Heilig, der an weit geöffneten Ratssaal-Türen beim Defilée am Sonntagvormittag zusammen mit seinen beiden Stellvertreterinnen Dr. Sandra Vorlová und Judith Roth-Jörg Hunderte Hände geschüttelt hatte, ging auch auf zahlreiche Großprojekte ein. Insgesamt zog Heilig nach dieser Leistungsbilanz mit vielen großen und kleinen Formen von „Machen“ und somit „Glücklich-Machen“ die Bilanz: „Wir haben keinen Grund, verdrießlich zu sein! Denn wir sehen ja: Würzburg gestaltet, packt an und entwickelt sich weiter!“

Überraschung: Deutschland ist gut drauf

Gastredner des diesjährigen Neujahrsempfangs war der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Dominik H. Enste. Der bedeutende Verhaltensökonom und Wirtschaftsethiker nahm die Gäste mit dem ein oder anderen Bonmot und dem Ausblick auf eine „Glücksformel“ in seinem Vortrag über Lebenszufriedenheit und Glück mit.

Enste stieg ein mit dem Glücksatlas, bei dem knapp 14.000 von Allensbach im Jahr 2025 Befragte ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 (ganz und gar nicht zufrieden) bis 10 (ganz und gar zufrieden) im Durchschnitt mit einem Wert von 7,09 angaben. „Das ist nah am Allzeithoch“, ließ Enste gleich zu Beginn aufhorchen.

Bei subjektiver Lebenszufriedenheit und objektiver Lebensqualität belege Bayern gar den 2. und den 1. Rang. Franken habe zwar noch Potenzial nach oben im positiven Empfinden, meinte er, was das Publikum mit gespielter Entrüstung quittierte. Aber Enste machte es gleich wieder gut: „Würzburg hat (fast) alles, was es für eine hohe Lebenszufriedenheit braucht: Platz 4 beim Niveauranking von 72 Städten im Bereich Arbeit, Platz 7 bei der Verbesserung der U3-Betreuung in der Kita, Platz 2 bei Infrastruktur Schulen und Platz 7 bei Hochschulen.“

„Es wird fast alles besser“

Tatsächlich, so Enste, werde (fast) alles besser, auch in Würzburg. Als Triebfedern hoher Lebenszufriedenheit stellte er sieben Kapitalarten vor. Dazu zählten das ökonomische Kapital mit weltweit sinkender extremer Armut und hoher Arbeitszufriedenheit, das Sozialkapital mit hoher Wohnraumdeckung und niedriger Arbeitslosigkeit sowie das Humankapital einer starken Schul- und Hochschullandschaft.

Hinzu kämen das kulturelle Kapital mit überdurchschnittlichen Besucherzahlen, das körperliche Kapital mit Gesundheit als zentralem Glücksfaktor, das Naturkapital mit einem hohen Anteil naturnaher Flächen trotz der Kessellage, sowie das Moralkapital, mit einer hohen Aufklärungsquote (70%) von Straftaten.

Aus „Grow“ und „Flow“ wird „Glow“

Wie wirken diese Kapitalarten auf die individuelle Lebenszufriedenheit? Was macht glücklich – und wer macht glücklich? „Heiraten macht glücklich und Kinder bekommen auch, zumindest in der Theorie“, stellt Enste dar. Das weiß er offenbar nicht nur aus Statistiken.

Aus all diesem aber entwickelt Enste eine einfache Formel für ein gutes Leben für jeden Menschen. Ein gutes Leben ist sinnstiftend, genussvoll und erlebnisreich: „Das Leben mit seinen Höhen und Tiefen“, so Enste, „gelingt, wenn ‚grow‘ und ‚flow‘ eine Balance finden.“ Also: Wachsen und Fließen; Leistung, Arbeiten und sich weiterentwickeln und die Fähigkeit, das Leben zu genießen, müssen sich die Waage halten. „Das ist die vereinfachte Formel für echtes Glück“, sagt der Glückforscher vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Beschwingt und schon fast ein wenig glückselig suchten die Gäste des diesjährigen Neujahrsempfang im Anschluss an diesen Vortrag bei ein wenig Musik und Getränken das Gespräch miteinander. Ein Thema dabei dürfte gewesen sein: Würzburg und das Glück, sich hier zusammengefunden zu haben.

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